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Debatte um Generationengerechtigkeit: 

Im Durchschnitt haben Alte mehr als Junge

22. Apr 2008 14:53
Wer hat mehr? Sie oder die?
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Es ist wesentlich wahrscheinlicher auf ein armes Kind als auf einen armen Rentner zu treffen, sagen Experten. So reich wie heute seien Ruheständler nie zuvor gewesen. Ein Wohlfahrtsverband zieht daraus seine eigenen Schlüsse.

Führende Ökonomen sehen derzeit keine gravierende Altersarmut in Deutschland. «Die materielle Lebenssituation der Älteren ist besser als die des Durchschnitts der Gesamtbevölkerung», sagte Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

«Durchschnittlich haben die Senioren mehr verfügbares Einkommen als die Jüngeren, die heute ihre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen und später deutlich weniger Rente rausbekommen werden», wird Grabka zitiert. Nach Erhebungen des DIW verfügten Seniorenpaare 2003 über 104,5 Prozent des durchschnittlichen bedarfsgewichteten verfügbaren Einkommens der Gesamtbevölkerung. Junge Elternpaare mit einem Kind von unter drei Jahren kamen demnach nur auf 83,6 Prozent dieses Wertes.

Reichste Rentner, die das Land je gesehen hat

Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen nannte Altersarmut im selben Blatt «eines der meistüberschätzten Phänomene der Gegenwart». Statistisch gesehen sei die Wahrscheinlichkeit, auf ein armes Kind zu stoßen, etwa fünfmal größer als die, auf einen armen Rentner zu stoßen. Die heutigen Rentner seien im Durchschnitt die reichsten Rentner, die dieses Land jemals gesehen habe. «Wir haben kein Altersarmutsproblem in Deutschland, sondern ein Problem mit Kindern, die arm aufwachsen», wird zudem der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats beim Wirtschaftsministerium, der Mannheimer Ökonom Axel Börsch-Supan, zitiert.

Angesichts der großen Kinderarmut in Deutschland und der mittelfristig erwarteten ebensogroßen Altersarmut forderte der Paritätische Wohlfahrtsverband eine drastische Erhöhung von sowohl Kindergeld als auch Altersgrundsicherung. Beide Leistungen müssten ebenso wie die Hartz-IV-Regelsätze um jeweils 26 Prozent angehoben werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Ulrich Schneider. Zum Problem der Altersarmut erklärte Schneider, derzeit sei die Situation mit etwa 370.000 Betroffenen noch relativ angenehm. «Jetzt ist die Zeit für notwendige Reformen, die uns in 15 Jahren vor einem Schreckensszenario bewahren», meinte Schneider.

Union warnt vor Abkehr von christlicher Soziallehre

In der Union ging unterdessen die Diskussion über die Rentenpolitik weiter. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla lehnte in den «Stuttgarter Nachrichten» Änderungen ab. Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Philipp Mißfelder, warnte in der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» vor einer einseitigen Diskussion und forderte Entlastungen für die jüngere Generation. Der sozialpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralf Brauksiepe, befürwortete dagegen in der «Rheinischen Post» den Rentenvorstoß des nordrhein-westfälischen Regierungschefs und stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Jürgen Rüttgers. Dieser hatte sich am Wochenende für eine höhere Rente für Geringverdiener eingesetzt.

Der CDU-Arbeitnehmerflügel unterstützte Rüttgers ebenfalls. «Jürgen Rüttgers hat Recht, wenn er die Diskussion jetzt angestoßen hat», erklärte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann. Unionsfraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen warnte vor einer Abkehr von der christlichen Soziallehre. (AP)

 
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