Welternährung:
Bauernpräsident warnt vor «Heuschrecken»
22.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Die Heuschrecken richten sich nun auch auf Agrarrohstoffe», sagte Sonnleitner. Bei den Nahrungsmitteln trieben Spekulanten genauso ihr Unwesen wie bei den Banken. «Das geht soweit, dass bewusst große Mengen Agrarprodukte vom Markt zurückgehalten werden», klagte der Verbandspräsident. Unter den Preissteigerungen litten auch die Landwirte, erklärte Sonnleitner: «Die Preissteigerungen, insbesondere bei Futtermitteln, schlagen voll durch auf unsere Veredelungsbetriebe.» Andererseits stärkten vernünftige Preiserhöhungen die Wirtschaftskreisläufe in der Landwirtschaft und dienten dem ländlichen Raum weltweit.
Der Verbandspräsident kritisierte die Preispolitik der Lebensmitteldiscounter scharf. «Die Discounter spielen ihre Marktmacht schamlos aus und drücken uns Bauern und die Molkereien brutal an die Wand. Die Bauern sind diese Spielchen endgültig leid», sagte Sonnleitner. Er kündigte Aktionen für die kommenden Tage an.
Die Weltbank warnte vor Hungerrevolten, die wegen der Preise bereits in 33 Ländern drohten. Wieczorek-Zeul forderte, den Einsatz von Getreide und Ölfrüchten für die Produktion von Agrartreibstoffen vorübergehend auszusetzen. Sie verlangte einen «Pakt für Ernährungssicherung» und legte dafür ein Neun-Punkte-Programm vor. Neben Investitionen in die Landwirtschaft und einem Abbau von Agrarexportsubventionen sei zunächst ein Moratorium für die weitere Erhöhung der Biosprit-Beimischung nötig. Dem widersprach das Bundesumweltministerium. Sprecher Michael Schroeren warnte vor Schlussfolgerungen, wonach Biosprit die alleinige Ursache für die Erhöhung von Lebensmittelpreisen sei.
Richtig sei, dass 80 Prozent des vernichteten Regenwaldes auf den Anbau von Futtermitteln zurückgehe. Die Welthungerhilfe forderte eine Aktivierung nicht bewirtschafteter Anbauflächen in Entwicklungsländer anstatt in Europa. Das Kabinett will nach den Worten des stellvertretenden Regierungssprechers Thomas Steg im Zusammenhang mit der Lebensmittelkrise noch vor der Sommerpause einen Expertenbericht hören. Danach solle eine gemeinsame Strategie entwickelt werden. (AP, nz)

