Chefsache geglückt:
SPD billigt Becks Bahn-Kompromiss
14.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Fachleute in der Koalition sprachen von möglichen Einnahmen für Staat und Bahn in Höhe von fünf bis sechs Milliarden Euro. Teile der laut Beck mit Bahnchef Hartmut Mehdorn bereits besprochenen Pläne sind Investitionen in Lärmschutz und heruntergekommene Bahnhöfe.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sprach von einer «vernünftigen Grundlage» für die Privatisierung. Der von der SPD vorgeschlagene Verkauf von 24,9 Prozent an Privatanleger könne aber nur der erste Schritt hin zur Veräußerung von insgesamt 49,9 Prozent sein. Der Chef der Unionsfraktion, Volker Kauder, sagte: «Durch den Kompromiss in der SPD sind die Signale bei der Bahnreform wieder auf Grün gestellt.»
Der Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion, Klaas Hübner, bescheinigte dem in der Partei umstrittenen Vorsitzenden, er habe beim komplizierten Thema «Führungsstärke demonstriert». Beck hatte die Bahn-Privatisierung vorab zur Chefsache erklärt. Beck sagte: «Ich glaube, dass man davon ausgehen darf, dass es zu einem Sonderparteitag nicht kommen wird.» Bedenken gegen jegliche Privatisierung der Bahn äußerte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD).
Im Bundesbesitz blieben nun die DB-Konzernmutter zu 100 Prozent mitsamt dem Schienennetz, sagte Beck nach der letzten Runde der von ihm geleiteten Bahn-Arbeitsgruppe. Die Beschränkung auf 24,9 Prozent bei den Betriebsgesellschaften sichere den Bundeseinfluss. Damit könnten private Investoren keine «Sperrminorität» bei wichtigen Unternehmens- Entscheidungen erlangen, für die mindestens 25 Prozent nötig sind.
Das jetzt gefundene Modell verhindere eine Zerschlagung des Konzerns und mache weitere tarifliche Beschäftigungssicherungen möglich. Die Privatisierungs-Einnahmen sollen zu drei gleichen Teilen fließen: über den Bundeshaushalt in Schieneninvestitionen, in DB- Investitionen des Bahnbetriebs sowie ins Grundkapital des Unternehmens.
Die Gewerkschaft Transnet begrüßte den SPD-Kompromiss. Zwei der wesentlichen Bedingungen seien erfüllt, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. So bleibe der Bund Mehrheitsgesellschafter, eine Sperrminorität privater Anleger werde verhindert. Zweitens bleibe der Konzernverbund geschützt. Bei der Opposition stieß der SPD-Vorschlag auf Kritik. Die Bahn selbst äußerte sich zunächst nicht. (dpa, nz)

