14.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Rentnern in Ostdeutschland droht Altersarmut
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Niedriglöhne und Langzeitarbeitslosigkeit sind für die SPD-Politiker Sellring und Bullerjahn Hauptgründe des drohenden Abstiegs ostddeutscher Rentner in die Mittellosigkeit. Vielen Erwerbstätigen fehle das Geld für Zusatzrenten.
Zwei sozialdemokratische Landesminister haben vor zunehmender Altersarmut im Osten Deutschlands gewarnt. In rund 15 Jahren hätten viele Rentner nur noch eine niedrige Altersversorgung oder seien auf die Grundsicherung angewiesen, schreiben der Sozialminister von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, und der Finanzminister von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn (beide SPD) nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» in einer gemeinsamen Analyse.
Grund für den befürchteten Anstieg sind sinkende Renten durch Niedriglöhne, Langzeitarbeitslosigkeit und Patchwork-Erwerbsbiografien. Während zwischen 1942 und 1946 geborene Männer eine Rente von durchschnittlich 967 Euro monatlich erhalten, sinkt sie für die Geburtsjahrgänge 1957 bis 1961 auf durchschnittlich 820 Euro. Für Frauen wird ein Rückgang von 820 auf 690 Euro vorausgesagt.
Mindestlöhne als GegenmaßnahmeHinzu komme, dass die heutigen Berufstätigen wegen zu niedriger Löhne im Osten kein Geld für Zusatzrenten aufbringen können. Erst ab einem Stundenlohn von mindestens 7,50 Euro sei dies möglich. Bei fast jedem fünften Ostdeutschen liege der Verdienst aber darunter.
Als Gegenmaßnahmen plädierten Bullerjahn und Sellering für flächendeckende Mindestlöhne, für höhere Rentenbeiträge bei Mini-Jobs und einer besseren rentenrechtlichen Bewertung von Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit aus. Die staatlich geförderte Riester-Rente sollte zu einer Pflichtversicherung ausgebaut werden.
Sommer sieht Altersarmut unterschätztDer DGB-Vorsitzende Michael Sommer sagte der «Bild»-Zeitung, nur in der gegenwärtigen Rentnergeneration hätten die allermeisten Menschen noch ein auskömmliches Einkommen. Spätestens in 15 Jahren werde es «Millionen von Rentnern» geben, die von Sozialhilfe leben müssten. Das Thema Altersarmut werde völlig unterschätzt. Ein Jahr Hartz IV ergebe für die spätere monatliche Rente lediglich 2,19 Euro, sagte Sommer.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband bezeichnete die Analyse der SPD-Landesminister als plausibel und forderte eine Erhöhung der Grundsicherung für Rentner von derzeit 347 auf 427 Euro im Monat plus Wohnkosten. Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider sagte, die wachsende Altersarmut sei nicht aufzuhalten. Es gehe aber darum, die sozialen Härten abzuwenden. Wenn die Langzeitarbeitslosen und Geringverdiener von heute in 15 Jahren Rentner würden, werde man Altersarmutsquoten von zehn bis 15 Prozent haben. Heute liege die Quote bei 2,5 Prozent. (dpa/epd)