Integration falsch verstanden: Mussu nicht Deutsche sprachen08. Apr 2008 14:05  |  Beim Feiern muss man nicht Deutsch sprechen | Foto: AP |
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Die Stadt Köln hat vor, mehr Menschen mit Migrationshintergrund zu städtischen Mitarbeitern zu machen – allerdings zu einem hohen Preis: Bewerber mit nicht ganz so gutem Deutsch sollen bevorzugt werden. Ein Grund für Jens Teschke, mal grundsätzlich über Integration nachzudenken.
Diese Meldung ging in den letzten Tagen leider ein bisschen unter: Die Stadt Köln will in der Verwaltung mehr Bewerber mit Migrationshintergrund berücksichtigen. Richtig so! Wenn in einer Stadt viele Bürger leben, die nicht aus Deutschland stammen, ist es durchaus sinnvoll, mehr Polizisten mit Migrationshintergrund einzustellen oder auch im Arbeitsamt Mitarbeiter zu haben, die vielleicht neben Deutsch auch noch Türkisch sprechen.In Köln aber will die Verwaltung noch ein bisschen weiter gehen: Bewerber, die schlechter Deutsch können, erhalten einen Bonus, damit sie deswegen nicht benachteiligt werden. Falsch so!
Wie gut ist das Deutsch in ein paar Jahren? Ein Eignungstest soll etwas darüber aussagen, wie qualifiziert Bewerber für den jeweiligen Job sind. Ein Bewerbungstest in der Verwaltung sollte also überprüfen, inwieweit der Bewerber sich mit Formularen, Anträgen auskennt, inwieweit er oder sie auch mit Kunden kommunizieren kann. Die Stadtverwaltung Köln sagt stattdessen: Isse nich so wischtig.
In Köln soll nämlich gelten: Bei Bewerbern mit nicht ganz so gutem Deutsch wird ab Mitte des Jahres unterstellt, dass Sprachdefizite im Laufe der Jahre abnehmen. Also bewertet man beim Sprachtest nicht die aktuellen Fähigkeiten, sondern prognostiziert, wie die Kandidaten in drei Jahren mit der deutschen Sprache klar kommen könnten. Das ist dann schon eine ganz besondere Art Karneval. Dat is total jeck, würde der Kölner sagen.
Toll. Wie antizipiert man das eigentlich? Ich habe mal einen Erste-Hilfe-Kurs mitgemacht. Bin ich deswegen fit, Herzchirurg zu werden? Könnte ja sein, dass in den kommenden Jahren im OP ich durchaus meine medizinischen Kenntnisse ausbauen könnte, oder? Gebt mir das Skalpell doch schon mal. Ich spiele auch ganz gerne Klavier, in der Berliner Philharmonie bin ich aber noch nicht aufgetreten. Werde ich diskriminiert? Und wozu brauchen wir eigentlich noch Führerscheine? Im Laufe der Jahre wird schon jeder so seine Erfahrungen hinterm Steuer machen.Seit Jahren halten mich die französischen Verwandten meiner Frau zwar für einen netten Menschen, aber so richtig Fortschritte in meinem Schul-Französisch mache ich nicht. Wenn ich in Frankreich leben würde, würde ich also tunlichst die Sprache lernen, damit ich nicht nur für nett gehalten werde, sondern auch noch richtig nett sprechen kann.
Integrationskosmetik statt wahrer Eingliederung
Integration ist wichtig, aber es muss schon noch immer eine Integration sein, die von den Zu-Integrierenden ein bisschen was fordert, z.B. Sprachkenntnisse. Gerade haben die Politiker erkannt, dass es ja durchaus ganz sinnvoll ist, dass Migrantenkinder schon früh Deutsch lernen sollten, da wird in Köln signalisiert: Blödsinn, das ist besser, wenn die schlechter Deutsch sprechen, denn wir rechnen einfach ein bisschen was drauf, wie Du Deutsch sprechen könntest wenn du älter bist.
Seit Jahren führen wir in Deutschland die Debatte über die richtige Integration. Dass wir nun nicht mehr Ausländer sagen, sondern Migranten, dass wir zwar jeden Lebensmittelskandal voller Empörung aufdecken, das Schächten im Hinterhof aber erlauben, und dass wir uns nur sehr eingeschränkt damit auseinandersetzen, dass etwa in Berlin-Neukölln totale Parallelgesellschaften entstanden sind, in denen Muslime fleißig ihren heiligen Zorn auf den Westen artikulieren können, all das ist schon Integrations-Unfug genug. Jetzt aber noch am Wesentlichen herumzuschrauben, den Sprachkenntnissen, das ist Integrations-Wahnsinn.Integration kann nur funktionieren, wenn klar ist, wer hier wen integriert. Deutsche müssen sicherlich in Teilen mehr Offenheit wagen, jenseits der Klischees schauen, aber dass Einwanderer die Landessprache lernen müssen und sprechen können müssen, dass sollte eigentlich Allgemeingut sein. Kölsch ist eine ganz spezielle Form des Deutschen, wer in Köln lebt, muss Kölsch nicht sprechen können, aber Deutsch – auch und gerade in der Verwaltung, auch wenn Verwaltungs-Deutsch noch einmal was ganz Besonderes ist.
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