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Nach Aktion des Chaos Computer Clubs: 

Schäuble lässt Fingerabdruck überprüfen

31. Mrz 2008 16:12
Schäubles Fingerprint, sagt der CCC
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Der Innenminister demonstriert Gelassenheit, will aber die Kopie seines Fingerabdrucks mit der eigenen Kuppe vergleichen. Unter Herstellern von Finger-Scannern sorgt die Aktion des CCC für Unruhe, wie Tilman Steffen berichtet.

Neu ist das Verfahren nicht. Schon vor mehreren Jahren gelang es unter anderem japanischen Forschern, Fingerabdruck-Scanner mit Attrappen zu überlisten. Die Suche nach wirksamen Methoden begann spätestens, als Fingerabdruck-Scanner Teil des Alltags wurden.

Der Chaos Computer Club, eine Vereinigung von Streitern für die Sicherheit von Daten und die Selbstbestimmung über persönliche Informationen, veröffentliche schon 2004 eine einfache Anleitung für das Kopieren von Fingerprints. Neu ist nur, dass nun auch Kopien eines Fingerabdrucks von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble kursieren.

Der Club wollte Schäubles Toleranzmaß in eigener Sache austesten. In der jüngsten Ausgabe der Mitgliederzeitschrift «Datenschleuder» vertreibt der Verein eine Kopie des ministerialen Finger-Repros und sowie eine Vorlage, mit der sich eine Kopie herstellen lässt. Das Original soll von einem von Schäuble benutzten Wasserglas stammen, dessen ein CCC-Aktivist habhaft wurde. «Ein alter Polizeitrick», sagt Günther Mull, Geschäftsführer eines Hamburger Unternehmens für Identifikationssysteme.

Der Toleranztest des Computer-Clubs ging wenig aufregend zu Ende. Denn Schäuble zeigte sich am Wochenende gelassen. Sein Fingerabdruck sei kein Geheimnis, den könne jeder haben, sagte er «Zeit Online». «Ich habe nichts zu befürchten.»

Ob der veröffentlichte Abdruck tatsächlich seiner sei, blieb unklar. Schäuble wird sich im Ministerium der Gegenprobe stellen. Man wolle versuchen, ein Exemplar der CCC-Zeitschrift zu bekommen, um den beiliegenden Ausdruck mit dem Finger des Ressortchefs zu vergleichen, sagte ein Sprecher am Montag der Netzeitung. Das Ministerium gab sich Mühe, die Überraschung mittels Gleichmut zu kaschieren. Leicht larmoyant heißt es dort, normalerweise erhalte das Ministerium in solchen Fällen ein Belegexemplar. Man werde den Posteingang abwarten. «Wir werden aber nicht beim Chaos Computer Club anrufen und um ein Exemplar bitten», sagte der Sprecher.

Das wäre im Grunde auch nicht notwendig, denn das Ministerium könnte Schäubles Fingerabdruck auch über neben stehenden Link aus dem Internet laden.

Mit der Aktion wollte der Club die Debatte um das Erfassen und Nutzen von biometrischen Daten befeuern und zudem bekräftigen, dass Biometrie keineswegs ein sicheres Mittel ist, um Menschen sicher zu identifizieren. Wirkte die Debatte vor Jahren noch abstrakt und bedeutungsarm, gibt es mittlerweile genug Anlass, um die Sicherheit persönlicher Informationen zu fürchten.

An vielen Notebooks etwa sollen Finger-Scanner sicherstellen, dass nur berechtigte Benutzer damit arbeiten. Scanner an Türschlössern prüfen, ob wirklich hinein will, wer auch hinein darf. Seit 2007 gibt es deutsche Reisepässe nur noch mit eingespeichertem Fingerabdruck, der Personalausweis soll bald folgen. Das Foto auf neuen Personalausweisen ermöglicht bereits biometrische Merkmale des Gesichts zu erfassen. Ausreichend Angriffsfläche für Datenliebhaber.

Schäubles Ministerium kündigte gleichwohl an, rechtliche Schritte gegen den CCC zu prüfen. Immerhin legt die Aktion nahe, dass Schäubles Fingerabdruck künftig an Orten auftauchen könnte, die dem Minister nicht so lieb sind. Vom Reproduzieren mittels Laserdrucker und Holzleim bis zum Abdruck der Kopie auf Gegenständen ist es kein so weiter Weg. Genau dies lässt Kritiker Schäubles Argumentation ablehnen, wenn er sagt, er habe kein Problem damit, dass andere über seinen Fingerabdruck verfügen, denn er habe sich nichts vorzuwerfen.

Schäuble
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Das reine Gewissen nützt nichts, wenn man als Unbeteiligter plötzlich Verdächtiger in einem Ermittlungsverfahren wird, nur weil ein Unbekannter dessen Fingerabdruck gezielt an einem Tatort platzierte. Sollten die Fingerabdrücke der Bürger künftig in einer für Ermittler zugänglichen Datenbank gespeichert sein, wäre das Heer der Verdächtigen schnell gewaltig groß. Noch gibt es eine solche Datei nicht, weil sie politisch nicht durchsetzbar ist. Derzeit nimmt die Meldebehörde für Reisepässe Fingerabdrücke von Menschen, um sie zwecks Identifizierung des Passinhabers lediglich in den Chip des Dokumentes einzuspeichern. Derzeit.

 
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