20.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Scholz will in der Wirtschaft für bezahlte Praktika sorgen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Acht Monate Hospitanz ohne Urlaub und ohne Bezahlung. Unter solchen Bedingungen müssen Praktikanten im Wirtschaftsministerium arbeiten. Tatsächlich soll es nur ein Ministerium geben, in dem Praktikanten eine Aufwandsentschädigung erhalten.
Die meisten Bundesministerien zahlen ihren Praktikanten kein Geld. «Bitte beachten Sie, dass Praktika nicht vergütet werden», zitierte der «Spiegel» am Donnerstag eine Richtlinie des Arbeitsministeriums. Arbeitsminister Olaf Scholz dagegen will der Wirtschaft vorschreiben, Praktikanten mit abgeschlossener Berufsausbildung künftig «angemessen» zu bezahlen.
Der Sprecher von Scholz, Steffan Giffeler, erklärte, der «Spiegel» gebe den Sachverhalt verzerrt wider: Das Arbeitsministerium beschäftige nur Praktikanten, «die im Rahmen einer schulischen oder hochschulischen Ausbildung und mit entsprechend materieller Absicherung ihres Lebensunterhaltes nach den einschlägigen Ausbildungsordnungen Praktika absolvieren».
Praktikumsbewerber «mit abgeschlossener Berufs- oder Hochschulausbildung, für die natürlich eine angemessene Vergütung zu zahlen wäre», hingegen nehme sein Haus überhaupt nicht. Hart seien die Bedingungen auch bei Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), berichtete der «Spiegel» weiter.
Keine Kosten übernommen«Es können keinerlei Kosten für Versicherungen, Unterkunft und Verpflegung und Ähnliches übernommen werden», heißt es im Verkehrsministerium. Weder Geld noch Urlaub bekommen dem Bericht zufolge Praktikanten des Wirtschaftsministeriums obwohl die Hospitanzen bis zu acht Monate dauern können.
Lediglich Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) ist bereit, eine Aufwandsentschädigung zu bezahlen. Bei ihr bekämen Praktikanten 100 Euro brutto im Monat. Scholz hatte diese Woche angekündigt, er wolle den Missbrauch von Praktika eindämmen. Praktikanten sollten angemessen bezahlt werden und kein Arbeitnehmer-Ersatz sein, verlangte der SPD-Politiker. Dafür sollen bestehende Gesetz präzisiert werden. «Wir wollen Praktika nicht kaputt machen, sondern dafür sorgen, dass Praktikanten ordentlich behandelt werden», betonte der Minister. (AP)