Posse in schleswig-holsteinischer SPD: 

netzeitung.deNacktfoto-Politikerin erwägt erneute Kandidatur

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Die Webseite der SPD-Politikerin provozierte unterschiedliche Reaktionen (Foto: www.designstudio-auras.de<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Webseite der SPD-Politikerin provozierte unterschiedliche Reaktionen
Foto: www.designstudio-auras.de
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wegen der Kritik an den Nacktfotos auf ihrer Homepage hatte eine SPD-Kommunalpolitikerin ihre Kandidatur zurückgezogen. Doch vielleicht überlegt sie es sich nochmal anders.

Die schleswig-holsteinische SPD-Politikerin Birgit Auras überlegt, unter bestimmten Bedingungen doch bei der Kommunalwahl anzutreten. Sie hatte nach Kritik an ihrem Internet-Auftritt, der Nacktfotos von ihr zeigte, die Kandidatur für das Kommunalparlament von Neustadt (Holstein) zurückgezogen. Wenn sich die Beschwerde führenden Damen aus dem Ortsverein bei ihr entschuldigten, würde sie noch einmal über eine Kandidatur nachdenken und sich wahrscheinlich dafür entscheiden, sagte sie am Mittwoch.

«Ich bin kein Elefant, der nicht vergessen kann», ergänzte Auras. Die 50-Jährige hatte vorher berichtet, sie sei wegen der Aktbilder «so was von diskriminiert und verletzt worden. Das war schon heftig.». Sie habe daraufhin entschieden, auf die Kandidatur zu verzichten. «Das war aber keine normale, sachliche Auseinandersetzung», sagte sie.

Bergeweise Solidaritäts-E-Mails
Einen Tag nach Bekanntwerden der Posse um die Nacktfotos zeigten viele Menschen der betroffenen Frau ihr Mitgefühl. Die Boutiquenbesitzerin und verhinderte Kommunal-Kandidatin Auras sagte, sie habe «bergeweise E-Mails» aus ganz Deutschland bekommen. Fast alle Verfasser ermunterten sie, weiterzumachen und wieder zu kandidieren. Nur eine «verschwindend geringe Zahl an negativen Stimmen» sei darunter gewesen.

Wegen Nacktaufnahmen von sich im Internet war die 50-Jährige nach eigenen Worten von ihrer Partei unter Druck gesetzt worden: «Ich wurde vor die Alternative gestellt, entweder die Fotos von der Homepage zu entfernen oder von der Kandidatur zurückzutreten», sagte Auras.

Sie zog daraufhin zurück. Am 25. Mai ist Kommunalwahl in Schleswig-Holstein. Die Ladenbesitzerin verkauft auch Mode über das Internet und wirbt auf der Homepage mit Nacktfotos. So präsentiert Auras etwa freizügige T-Shirts, posiert aber auch ganz ohne. Dies hatte im SPD-Ortsverein zu Protesten geführt.

«Lassen Sie sich nicht unterkriegen»
Auras sagte zu den Solidaritätsmails und den positiven Einträgen im Gästebuch ihrer Internetseite: «Ich habe gestern Rotz und Wasser geweint vor Rührung.» Für die Zukunft wünsche sie sich für den Neustädter SPD-Ortsverein, «dass man mit Problemen, die auftauchen, gelassener und entspannter umgeht». Es gehe allen ja um die Sache, sie wolle sich nicht in Szene setzen.

Die Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Neustadt, Margit Gieszas, hatte gesagt, es habe eine Diskussion über die Fotos gegeben, daraufhin sei die Kandidatin von sich aus zurückgetreten. «Darüber diskutieren wir hier in Neustadt nicht mehr», hatte Gieszas gemeint.

In den «Lübecker Nachrichten» zeigten sich andere Genossen entgeistert über die Kritik an Auras: «Ich habe irrtümlich geglaubt, die SPD sei inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen», sagte Neustadts SPD-Ehrenvorsitzender Hermann Benker der Zeitung. In anderen Ortsvereinen sehen die Genossen das Thema Nacktheit gelassener: Zwölf SPD-Frauen aus Offenbach haben sogar einen Kalender drucken lassen, in dem sie unbekleidet posieren. (AP)