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Auszeichnung für Soldaten: 

«Tapferkeit» in Uniform soll belohnt werden

06. Mrz 2008 20:02
Eisernes Kreuz von 1813
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Er darf nicht «Eisernes Kreuz» heißen, aber einen neuen Orden hätte die Bundeswehr schon gern. Das alte System der Ehrenzeichen genügt manchen Armeeführern nicht mehr. Kritiker sprechen von einer «schrägen Symbolpolitik».

Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs sollen deutsche Soldaten wieder mit einem Tapferkeitsorden ausgezeichnet werden. Bundespräsident Horst Köhler hat ein entsprechendes Ansinnen von Verteidigungsminister Franz Josef Jung «im Grundsatz gebilligt», wie das Bundespräsidialamt am Donnerstag in Berlin erklärte. Die neue Medaille solle für «außergewöhnlich tapfere Taten» verliehen werden. Die neue Auszeichnung wird aber nicht Eisernes Kreuz heißen, so wie es über 130 Jahre lang im deutschen Militär Tradition war. «Davon war nie die Rede», betonte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Der neue Tapferkeitsorden wird voraussichtlich eine neue Stufe der Ehrenzeichen der Bundeswehr. Davon gibt es aktuell vier Ausführungen: Eine Medaille und drei Ehrenkreuze in Bronze, Silber und Gold. Sie werden für «treue Dienste und in Würdigung beispielhafter soldatischer Pflichterfüllung» vergeben. Dazu zählen auch herausragende Einzeltaten wie etwa Rettungsmaßnahmen, wie der Sprecher berichtete. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Eiserne Kreuz etwa 2,3 Millionen für Tapferkeit verliehen. Die Grundform ist aktuell noch das Hoheitszeichen der Bundeswehr.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, begrüßte die Idee. Die Auszeichnung sollte «für besondere Formen der Tapferkeit im Einsatz» vergeben werden, sagte der SPD-Politiker der «Sächsischen Zeitung». Auch sollten eine Auszeichnung «diejenigen bekommen, die im Einsatz ihre Gesundheit gelassen haben, als Behinderte aus dem Einsatz zurückgekommen und für ihr Leben gezeichnet sind».

«Zeichen der Hoffnung und Hilfe»

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete, dass der Präsident des Reservistenverbandes, Ernst-Reinhard Beck (CDU), für den Orden die Form des Eisernen Kreuzes vorgeschlagen habe. Zwar sei mit dem Eisernen Kreuz entsetzliches Unrecht durch die Wehrmacht verbunden, doch reiche die Tradition weit darüber hinaus. Das Symbol trügen alle Schiffe, Fahr- und Flugzeuge der Bundeswehr. «Das Eiserne Kreuz ist in den Krisenregionen der Welt zu einem Zeichen der Hoffnung, der Hilfe und der Solidarität geworden, für das wir uns keinesfalls schämen müssen.»

Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen im EU-Parlament, Angelika Beer, lehnte den Namen Eisernes Kreuz ab und regte stattdessen einen gesellschaftlichen Ideenwettbewerb an. In einem Beitrag für die in Berlin erscheinende «B.Z.» schrieb sie: «Ich lehne ein Eisernes Kreuz für Bundeswehrsoldaten aus historischen Gründen ab. Ich halte es nicht für das geeignete Symbol, die Auslandseinsätze unserer Soldaten zu würdigen. Das Eiserne Kreuz wird im Ausland nicht als Ehrung des Widerstandes gegen Hitler wahrgenommen, sondern eher umgekehrt.»

«Reduzierung auf Tapferkeit ist falsch»

Für den Linke-Politiker Paul Schäfer illustriert ein solcher Orden hingegen ein «kriegsbedingt gewandeltes Selbstverständnis» der Bundeswehr». Die deutsche Geschichte lehre, dass die gesellschaftliche Hervorhebung des Soldatenberufs durch Ehrenmale und Auszeichnungen häufig Vorbote von Kriegsbeteiligung gewesen sei. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte der «Märkischen Allgemeinen», die Reduzierung auf Tapferkeit sei falsch. Gegen einen Orden für besondere Leistungen von Soldaten, der auch Tapferkeit mit einbeziehe, sei dagegen nichts zu sagen. Der Grünen-Politiker Winfried Nachtwei sprach von «schräger Symbolpolitik».

Das Eiserne Kreuz geht zurück auf die Stoffkokarde deutscher Kriegsfreiwilliger in den Freiheitskriegen 1813 bis 1815. Zwischen 1813 und 1945 wurde das Eiserne Kreuz als militärischer Orden verliehen. Seit dem Ersten Weltkrieg kennzeichnet es als nationales Hoheitszeichen deutsche Streitkräfte. Während der NS-Diktatur befand sich in seiner Mitte ein Hakenkreuz. Zum Balkenkreuz verändert, prangte es zudem auf den Panzern und Flugzeugen der Wehrmacht. Von den Offizieren des 20. Juli 1944, dem Tag des Attentats auf Adolf Hitler, waren 13 Inhaber des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes. 711 Ritterkreuzträger dienten später in der Bundeswehr, von denen 114 einen Generalsrang erreichten. (AP/dpa)

 
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