Kraftwerke in Deutschland: 

netzeitung.deAngebliche «Stromlücke» lässt Regierung kalt

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Licht aus? Baustelle eines RWE-Kraftwerks in Grevenbroich (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Licht aus? Baustelle eines RWE-Kraftwerks in Grevenbroich
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Nach dem Urteil zur Abschaltung des AKW Biblis versucht die Energiebranche, Verunsicherung zu säen. RWE-Chef Großmann warnt vor Stromausfällen, da Atom- und Kohlekraftwerke fehlten. Kritiker nennen das «Panikmache».

Die aktuelle Stromversorgung in Deutschland ist nach Feststellungen der Bundesregierung und Teilen der Energiebranche nicht in Gefahr. Sie wiesen damit am Donnerstag Warnungen von RWE-Chef Jürgen Großmann vor möglichen Stromengpässen im Sommer zurück. «Alle Zahlen zeigen, dass von einer Stromlücke keine Rede sein kann», sagte der Sprecher des Bundesumweltministeriums, Michael Schroeren. Ähnlich äußerte sich die Ökoenergiebranche.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) räumte im Bundeskabinett zwar ein, dass es in heißen Wetterperioden kühlwasserbedingt auch schon Betriebs-Drosselungen in Kernkraftwerken gegeben habe. Beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hieß es: «Potenzielle Engpässe können entstehen, wenn mehrere negative Faktoren zusammenkommen.» Zugleich teilte der Verband mit, dass der Stromverbrauch im vergangenen Jahr nahezu konstant geblieben ist.
«Die Proteste wachsen»
Hintergrund der Äußerungen von RWE-Chef Jürgen Großmann sind unter anderem Warnungen vor dem Atomausstieg und Kritik an zunehmenden Bürger-Widerständen gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke. «Die Energiewirtschaft braucht für ihre Investitionen verlässliche Rahmenbedingungen», sagte ein BDEW-Sprecher. «Aber auch gegen Wasserkraftwerke oder die Windenergie und vor allem den dringend notwendigen Ausbau der Stromnetze wachsen die Proteste.» In den Bundesländern dauerten die Genehmigungsverfahren für Hochspannungsleitungen 8 bis 10 Jahre. «Wir brauchen deshalb dringend von der Politik entsprechende Unterstützung, um sowohl diese Verfahren zu beschleunigen als auch die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung für die neuen Stromtrassen und den Kraftwerksbau zu erhalten», so der BDEW.

Zuvor hatte Großmann im Gespräch mit der «Bild»-Zeitung erklärt: «In ganz Europa wird Strom knapp, weil Kraftwerke fehlen.» Mittlerweile reiche das Zusammentreffen eines trockenen heißen Sommers mit wartungsbedingten Ausfällen weiterer Kraftwerke, um die Versorgungssicherheit zu gefährden. «Hier drohen im europäischen Netz mehrtägige Stromausfälle schon in diesem Jahr, die auch Deutschland hart treffen können.» Bei anhaltendem Widerstand gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke drohten «Engpässe und Blackouts». Erneut verlangte er einen breiten Energiemix mit einer längeren Atommeiler-Laufzeiten.

2007 gab es ein Überangebot
Gabriels Sprecher erwiderte, es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass hierzulande die Lichter ausgehen und Waschmaschinen keinen Strom mehr hätten. 2007 habe es ein Stromüberangebot von 19 Terawattstunden gegeben, sagte Schroeren. «Und das, obwohl die vier großen Kernkraftwerke Krümmel, Biblis A und B sowie Neckarwestheim I zu großen Teilen keinen Strom produziert hätten. Außerdem sei Deutschland Strom-Nettoexporteur nach Frankreich und nicht umgekehrt.

Richtig sei jedoch, dass bei heißen Wetterperioden Stromproduktionen eingeschränkt worden seien, sagte Schroeren. Dies geschah aber ohne Versorgungslücken für die Bürger. Dazu kam es im August 2003, als die Atomkraftwerke Krümmel, Brockdorf, Brunsbüttel und Neckarwestheim I gedrosselt wurden. Nur so konnte die Vorschrift eingehalten werden, das Wasser an Standort-Flüssen wie der Elbe durch das zurückgeleitete Kühlwasser der Reaktoren auf nicht mehr als 30 Grad zu erwärmen. Damit sollen Flüsse geschützt werden. Das habe aber nichts mit größeren Versorgungsengpässen zu tun.

«Ein Versuch, den Atomausstieg aufzuhalten»
Auch die Ökoenergie-Branche wies Großmanns Äußerungen zurück. «Es gibt keine Stromlücke in Deutschland», sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), Milan Nitzschke. «Das ist reine Panikmache.» Wenn es zum geordneten Rückzug von Kohle und Atomkraft komme, werde dieser Stromausfall von erneuerbaren Energien, der verbundenen Strom-Wärme-Produktion (Kraft-Wärme- Koppelung) und Energiesparmaßnahmen voll ersetzt werden. Großmanns Vorstoß verstehe er als neuen Versuch, den Atomausstieg aufzuhalten. (dpa)