CDU-Kritik an Böhmer: 

netzeitung.de«Eine Kränkung für jede ostdeutsche Frau»

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Wolfgang Böhmer (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wolfgang Böhmer
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Auch Parteifreunde greifen massiv den CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt an. Böhmer relativierte inzwischen seine Äußerungen zu den Kindstötungen in Ostdeutschland.

In der ostdeutschen CDU wird heftige Kritik an den Äußerungen von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) geübt, der Kindstötungen in den neuen Ländern mit der Abtreibungspraxis in der ehemaligen DDR in Verbindung gebracht hat. Die Thüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Antje Tillmann sagte der «Thüringer Allgemeinen», die Aussage des Landeschefs von Sachsen-Anhalt sei «eine Kränkung für jede ostdeutsche Frau, die sich intensiv bemüht, ihren Kindern eine Zukunft zu geben.»

Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Manfred Grund, wurde von dem Blatt mit den Worten zitiert: «Böhmers Wortmeldung ist ein Versuch, das Unfassbare mit einem einfachen Satz zu erklären. Das greift zu kurz.» Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) kritisierte Böhmer nicht direkt. Er halte aber biografische oder historisch-geografische Erklärungsversuche bei solchen Ereignisse für falsch.

Auch die thüringische Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski (CDU) kritisierte ihren Parteifreund. Heutige Mütter seien zu Zeiten der DDR noch Kinder gewesen, die von Böhmer genannte «übernommene DDR-Mentalität» komme daher als Ursache von Kindstötungen nicht infrage, sagte Schipanski am Montag im ZDF-«Morgenmagazin».

«Üble Diffamierung»
Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Tiefensee (SPD), forderte Böhmer auf, sich bei den Eltern im Osten für seine Äußerungen zu Motiven von Kindestötungen zu entschuldigen. Böhmer hatte von einer Nachwirkung des liberalen Abreibungsrechtes der DDR gesprochen. Dazu sagte Tiefensee der «Frankfurter Rundschau»: «Das ist pseudowissenschaftliche Schwadroniererei und eine üble Diffamierung der Frauen in Ostdeutschland.»

Der Vize-Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Bodo Ramelow, verwahrte sich in der Zeitung dagegen, die Ursache für Kindstötungen im Osten in der Vergangenheit zu suchen: «Wer zulässt, dass Familie und gerade alleinstehende Frauen mit den Kindern ohne Beistand sind, der darf nicht die Schuld bei der DDR suchen.»

Kryptische Erklärungsversuche
Böhmer sagte dem MDR-Landesmagazin «Sachsen-Anhalt heute», er habe nur davon gesprochen, dass sich die Wertschätzung werdenden menschlichen Lebens verändert habe. Darauf könnten die Begleitumstände in der ehemaligen DDR «möglicherweise» Einfluss gehabt haben. «Ich bin weit davon entfernt, für alle Fälle eine Erklärung zu suchen. Es ist völlig falsch, alles in einem bestimmten Zusammenhang erklären zu wollen», sagte Böhmer.
(dpa/AP)