Der Vorsitzende der Regierungskommission für eine saubere Unternehmensführung (Corporate Governance), Gerhard Cromme, forderte in der «Welt am Sonntag», eine Steuerreform müsse von der Politik nun «ernsthaft angepackt» werden. Auch der Vorstandschef des Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann, mahnte: «Bessere Steuermoral resultiert aus einem durchgängigen, simplen System ohne Ausnahmen, das jeder versteht, das alle Bezieher gleicher Einkommen gleich behandelt und Verfehlungen angemessen ahndet.» Ähnlich äußerten sich noch andere Vorstands- und Aufsichtsratschefs. Auch die Bundessteuerberaterkammer forderte ein «Ende der Unübersichtlichkeit» im Steuersystem. Der Vorsitzende der CDU/CSU- Mittelstandsvereinigung (MIT), Josef Schlarmann, bezeichnete die bestehenden Regelungen in der «Wirtschaftswoche» als «unmoralisches Steuersystem, das Bürger zu kriminellen Handlungen verleiten kann». Dazu sagte Steinbrück, Steuerhinterziehung werde nicht betrieben, weil das Ausfüllen von Steuerformularen zu kompliziert sei. «Wer Steuern hinterzieht, will schlicht und einfach Geld sparen.»
Zudem würde auch bei einer Absenkung von Steuersätzen Geld hinterzogen. «Es gibt viele Leute, die selbst einen Steuersatz von 15 Prozent nicht zahlen wollen.» Eine Vereinfachung auf wenige Steuersätze bei gleichzeitiger Streichung von Steuerausnahmen lehnte der Minister ab. «Dann gibt es einige Gewinner. Aber auf der anderen Seite auch Millionen von Verlierern.» (dpa)