Viele Fälle von Kindstötungen im Osten: 

netzeitung.deBöhmer macht DDR-Zeit für Babymorde verantwortlich

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Böhmer macht die DDR-Zeit für Babymorde verantwortlich (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Böhmer macht die DDR-Zeit für Babymorde verantwortlich
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Nach Einschätzung des sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Böhmer ist für manche ostdeutsche Frau eine Kindstötung «ein Mittel der Familienplanung». Der CDU-Politiker sieht die Ursache dafür in einer politischen Entscheidung der Siebzigerjahre.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer führt die häufigen Fälle von Kindstötungen in Ostdeutschland auf die DDR-Vergangenheit zurück. «Ich erkläre mir das vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern», sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenmagazin «Focus». Für manche ostdeutsche Frau sei eine Kindstötung anscheinend «ein Mittel der Familienplanung».

Diese Einstellung halte er für eine Folge der DDR-Abtreibungspolitik. Frauen konnten dort nach 1972 bis zur zwölften Woche ohne jede Begründung die Schwangerschaft abbrechen. «Das wirkt bis heute nach», sagte Böhmer, der bis 1990 Chefarzt der Gynäkologie in Wittenberg war.

Um zu verhindern, dass Mütter ihre Schwangerschaft verheimlichen und ihr Kind dann töten, müssten die Menschen wachsamer werden. Viele Ostdeutsche seien zu sehr auf den Staat fixiert und gäben dadurch ihre individuelle Verantwortung auf. «Das stört mich sehr», sagte Böhmer. Zugleich forderte er stärkere staatliche Kontrollen, um «chronische Verwahrlosung» in Familien zu verhindern.

«Verdrängung gibt es»
Böhmer wandte sich aber gegen Aussagen des früheren brandenburgischen Regierungschefs Manfred Stolpe (SPD), der bei den Ostdeutschen eine sittliche Verwahrlosung feststellte. «Das sehe ich nicht so», sagte Böhmer. «Allerdings führt die aus DDR-Zeiten übernommene Fixierung auf den Staat zur Aufgabe von individueller Verantwortung. Das stört mich sehr.»

Der Regierungschef kündigte an, dass Sachsen-Anhalt im Frühjahr ein Kinderschutzgesetz verabschieden werde. Die Politik müsse sich mit mehr Kontrollen um chronische Verwahrlosung kümmern, auch wenn man dem Phänomen der Kindstötung im Affekt kaum beikommen werde. Alle müssten genauer hinschauen, forderte Böhmer. «Aber Verdrängung gibt es. Als Gynäkologe habe ich selbst Frauen erlebt, die ihre Schwangerschaft bis zur Entbindung erfolgreich verheimlichten.» (dpa/AP)