19.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Vor unsicherer Wahl: von Beust
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Seine Alleinherrschaft begann vor fünf Jahren mit der Trennung von «Richter Gnadenlos». Heute steht der beliebte CDU-Politiker von Beust vor einer unsicheren Wahl. «Sonnyboy», «Junger Wilder», «Nonkonformist» - Ole von Beust wurden in 37 Jahren politischer Karriere in der CDU viele Bezeichnungen angeklebt. Doch seit sieben Jahre ist er in ganz Hamburg nur noch der «Herr Bürgermeister». Der 52-Jährige ist in der Stadt beliebt wie nie zuvor: Wenn es am nächsten Sonntag eine Direktwahl für den höchsten Posten der Stadt gäbe, würde von Beust nach Umfragen mit 50 Prozent der Stimmen durch das Ziel fliegen. Die Spitzenkandidaten » Naumann - Staatsmann, aber menschlich » Wer darüber hinaus kandidiert Umso ärgerlicher ist es für den früheren Rechtsanwalt, dass seine Partei schwächelt und sein Job dadurch doch noch wackelt. Denn seit Wochen muss von Beust Wahlkampf-Feuer austreten, die Leute aus seinem Team angezündet haben: Die Schulsenatorin bringt den Samstag als Schultag ins Gespräch, der Justizsenator lässt völlig fehlerhafte Statistiken veröffentlichen, der Finanzsenator plant einen undurchsichtigen Immobiliendeal. In solchen Fällen klingelt bei den betroffenen Senatoren kurz nach den Morgennachrichten das Telefon und der scheinbar so harmlose von Beust wäscht ihnen den Kopf. Damit er auch die kommenden vier Jahre das gigantische Arbeitszimmer mit Premium-Blick auf Rathausmarkt und Alster bewohnen darf, plant er offenbar einen politischen Coup: Von Beust nannte schon mal Bedingungen für die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene und hängte die Hürde tief: Erhalt der Gymnasien, kein Zurück bei der Elbvertiefung, sichere Stromversorgung und ein paar Kleinigkeiten. Als Vater der ersten schwarz-grünen Koalition würde von Beust dann in die Geschichtsbücher eingehen. Dabei hatte es vor 2001 gar nicht so ausgesehen, als würde von Beust als Politiker viele Spuren hinterlassen: Er wurde von galt bei Kritikern als faul und leichtlebig, als Freund von langen Wochenenden auf Sylt, der es sich auf der gut bezahlten Position des CDU-Fraktionschefs gemütlich gemacht hatte. Eigentlich Carl-Friedrich Eigentlich heißt Ole von Beust mit Vornamen Carl-Friedrich. Den Namen Ole nahm er erst mit 18 an, weil seine Großmutter ihn immer «Ole Popp» (alte Puppe) gerufen hatte. Mit 16 trat er in die Junge Union ein, machte langsam Karriere in der Landes-CDU, begleitet von einem Jura-Studium. 1978 wurde er Abgeordneter in der Bürgerschaft. 1992 stieg Beust, mittlerweile selbstständiger Rechtsanwalt, in den Parteivorstand auf. Ein Jahr später wurde er mit großer Mehrheit an die Spitze der CDU-Bürgerschaftsfraktion gewählt. Kurz zuvor hatte seine Partei mit 25,1 Prozent das schlechteste Wahlergebnis seit 1945 eingefahren. Bei der Bürgerschaftswahl 1997 kandidierte von Beust vergeblich für den Posten des Bürgermeisters, schaffte aber ein Plus von mehr als fünf Prozent. Hintergrund » Themen, Personen, Trends
» Worüber die Parteien streiten Vier Jahre später dann sein unerwarteter Triumph: Die sensationell starke Schill-Partei verhalf ihm trotz CDU-Verlusten an die Macht. Nach 40 Jahren schickte von Beust die SPD in die Opposition, ließ sich aber mit dem zweifelhaften «Richter Gnadenlos» Ronald Schill und der traditionell schwachen Hamburger FDP ein. In den folgenden Jahren als Bürgermeister hielt sich von Beust im Hintergrund, kümmerte sich um Architektur und Stadtentwicklung und gab ansonsten den freundlichen Herrn. Die Umsetzung der konservativen Politik überließ er vor allem Innensenator Schill. Das alles endete im Spätherbst 2003: Beust wollte einen umstrittenen Staatsrat der Innenbehörde entlassen. Der düpierte Innensenator Schill sagte daraufhin öffentlich, von Beust sei homosexuell und habe ein Verhältnis mit Justizsenator Roger Kusch (CDU). Umwelt als neues Thema Beust feuerte Schill sofort und betonte, Kusch und er seien nur gute Freunde. Als Folge des Streits platzte die Koalition. Bei der Neuwahl im Februar 2004 holte die CDU mit der Kampagne «Ole wählen» 47 Prozent und die absolute Mehrheit der Parlamentssitze. In seiner zweiten Amtszeit legte von Beust eine ansehnliche Bilanz hin: Der Landeshaushalt wurde saniert, die Zahl der Arbeitslosen sank, die Stadt boomt. Gleichzeitig kritisiert die SPD, es gebe zahlreiche vom Senat vergessen Stadtteile, in denen die gute Wirtschaftslage nicht ankomme. Auch von Beust kennt diese Problemstadtteile wie Jenfeld oder Kirchdorf-Süd. Anfang Februar kündigte er neue Millionen als Hilfe für diese Viertel an. Von Beust hat aber schon ein neues Thema für sich entdeckt: die Umweltpolitik. Er ist Vorsitzender der CDU-Kommission für Klima, Umwelt und Verbraucherschutz. Im August 2007 legte er ein anspruchsvolles Klimaprogramm für Hamburg vor: Mit 170 Einzelmaßnahmen soll die Stadt bis 2012 den CO2-Ausstoß um zwei Millionen Tonnen senken und sich damit in Deutschland zur Klimahauptstadt aufschwingen. Nicht so gut ins Öko-Bild passt der geplante Bau eines neuen Kohlekraftwerkes im Süden der Stadt, den Beusts Senat mit Auflagen genehmigte. Eine schwarz-grüne Koalition und gleichzeitig der Weiterbau dieses Kohle-Giganten wäre womöglich das politische Meisterstück des Hamburger Bürgermeisters. (Claus-Peter Tiemann, AP)
«Sonnyboy», «Junger Wilder», «Nonkonformist» - Ole von Beust wurden in 37 Jahren politischer Karriere in der CDU viele Bezeichnungen angeklebt. Doch seit sieben Jahre ist er in ganz Hamburg nur noch der «Herr Bürgermeister». Der 52-Jährige ist in der Stadt beliebt wie nie zuvor: Wenn es am nächsten Sonntag eine Direktwahl für den höchsten Posten der Stadt gäbe, würde von Beust nach Umfragen mit 50 Prozent der Stimmen durch das Ziel fliegen.
Umso ärgerlicher ist es für den früheren Rechtsanwalt, dass seine Partei schwächelt und sein Job dadurch doch noch wackelt. Denn seit Wochen muss von Beust Wahlkampf-Feuer austreten, die Leute aus seinem Team angezündet haben: Die Schulsenatorin bringt den Samstag als Schultag ins Gespräch, der Justizsenator lässt völlig fehlerhafte Statistiken veröffentlichen, der Finanzsenator plant einen undurchsichtigen Immobiliendeal. In solchen Fällen klingelt bei den betroffenen Senatoren kurz nach den Morgennachrichten das Telefon und der scheinbar so harmlose von Beust wäscht ihnen den Kopf.
Damit er auch die kommenden vier Jahre das gigantische Arbeitszimmer mit Premium-Blick auf Rathausmarkt und Alster bewohnen darf, plant er offenbar einen politischen Coup: Von Beust nannte schon mal Bedingungen für die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene und hängte die Hürde tief: Erhalt der Gymnasien, kein Zurück bei der Elbvertiefung, sichere Stromversorgung und ein paar Kleinigkeiten. Als Vater der ersten schwarz-grünen Koalition würde von Beust dann in die Geschichtsbücher eingehen. Dabei hatte es vor 2001 gar nicht so ausgesehen, als würde von Beust als Politiker viele Spuren hinterlassen: Er wurde von galt bei Kritikern als faul und leichtlebig, als Freund von langen Wochenenden auf Sylt, der es sich auf der gut bezahlten Position des CDU-Fraktionschefs gemütlich gemacht hatte.
Eigentlich Carl-FriedrichEigentlich heißt Ole von Beust mit Vornamen Carl-Friedrich. Den Namen Ole nahm er erst mit 18 an, weil seine Großmutter ihn immer «Ole Popp» (alte Puppe) gerufen hatte. Mit 16 trat er in die Junge Union ein, machte langsam Karriere in der Landes-CDU, begleitet von einem Jura-Studium. 1978 wurde er Abgeordneter in der Bürgerschaft. 1992 stieg Beust, mittlerweile selbstständiger Rechtsanwalt, in den Parteivorstand auf. Ein Jahr später wurde er mit großer Mehrheit an die Spitze der CDU-Bürgerschaftsfraktion gewählt. Kurz zuvor hatte seine Partei mit 25,1 Prozent das schlechteste Wahlergebnis seit 1945 eingefahren. Bei der Bürgerschaftswahl 1997 kandidierte von Beust vergeblich für den Posten des Bürgermeisters, schaffte aber ein Plus von mehr als fünf Prozent.
Vier Jahre später dann sein unerwarteter Triumph: Die sensationell starke Schill-Partei verhalf ihm trotz CDU-Verlusten an die Macht. Nach 40 Jahren schickte von Beust die SPD in die Opposition, ließ sich aber mit dem zweifelhaften «Richter Gnadenlos» Ronald Schill und der traditionell schwachen Hamburger FDP ein. In den folgenden Jahren als Bürgermeister hielt sich von Beust im Hintergrund, kümmerte sich um Architektur und Stadtentwicklung und gab ansonsten den freundlichen Herrn. Die Umsetzung der konservativen Politik überließ er vor allem Innensenator Schill. Das alles endete im Spätherbst 2003: Beust wollte einen umstrittenen Staatsrat der Innenbehörde entlassen. Der düpierte Innensenator Schill sagte daraufhin öffentlich, von Beust sei homosexuell und habe ein Verhältnis mit Justizsenator Roger Kusch (CDU).
Umwelt als neues ThemaBeust feuerte Schill sofort und betonte, Kusch und er seien nur gute Freunde. Als Folge des Streits platzte die Koalition. Bei der Neuwahl im Februar 2004 holte die CDU mit der Kampagne «Ole wählen» 47 Prozent und die absolute Mehrheit der Parlamentssitze. In seiner zweiten Amtszeit legte von Beust eine ansehnliche Bilanz hin: Der Landeshaushalt wurde saniert, die Zahl der Arbeitslosen sank, die Stadt boomt. Gleichzeitig kritisiert die SPD, es gebe zahlreiche vom Senat vergessen Stadtteile, in denen die gute Wirtschaftslage nicht ankomme. Auch von Beust kennt diese Problemstadtteile wie Jenfeld oder Kirchdorf-Süd. Anfang Februar kündigte er neue Millionen als Hilfe für diese Viertel an.
Von Beust hat aber schon ein neues Thema für sich entdeckt: die Umweltpolitik. Er ist Vorsitzender der CDU-Kommission für Klima, Umwelt und Verbraucherschutz. Im August 2007 legte er ein anspruchsvolles Klimaprogramm für Hamburg vor: Mit 170 Einzelmaßnahmen soll die Stadt bis 2012 den CO2-Ausstoß um zwei Millionen Tonnen senken und sich damit in Deutschland zur Klimahauptstadt aufschwingen. Nicht so gut ins Öko-Bild passt der geplante Bau eines neuen Kohlekraftwerkes im Süden der Stadt, den Beusts Senat mit Auflagen genehmigte. Eine schwarz-grüne Koalition und gleichzeitig der Weiterbau dieses Kohle-Giganten wäre womöglich das politische Meisterstück des Hamburger Bürgermeisters. (Claus-Peter Tiemann, AP)