Kein Geld zu verteilen
13. Feb 2008 12:50
 |  Streikende Beschäftigte des Modehändlers Hennes und Mauritz (H&M) | Foto: dpa |
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Die Tariffronten im Einzelhandel sind festgefahren. Verdi will den Druck auf die Arbeitgeber weiter erhöhen und kündigte eine Ausweitung der Streiks an. Die Arbeitgeber kontern und sehen sich vor dem wirtschaftlichen Ruin.
Träge Konsumenten und sinkende Umsätze: In dem seit Monaten schwelenden Tarifstreit sieht der gebeutelte Einzelhandel kaum Spielraum zum Geldverteilen. Zwar scherte der zweitgrößte deutsche Lebensmittelhändler Rewe Ende 2007 aus und kündigte an, für seine 80.000 Mitarbeiter mehr Geld zu zahlen. Doch eine Lösung am Verhandlungstisch ist nicht in Sicht. Jetzt will die Gewerkschaft Verdi den Druck wieder erhöhen – und plant für die kommenden Wochen erneut zahlreiche Warnstreiks.
Die Aktionen zielen vor allem auf den Branchenriesen Metro, der als «zentraler Blockierer» angesehen wird. Aber auch die Warenhäuser von Karstadt und die Filialen von Globus, Kaufland und Ikea soll es treffen. «Wir sehen zu, dass wir wieder mehr vor den Häusern stehen», kündigt Verdi-Vize Margret Mönig-Raane. Warnstreiks könnte es bis Ostern geben. In den vergangenen Wochen wurde bereits vereinzelt wieder die Arbeit niedergelegt, so in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Zuletzt wurde das Weihnachtsgeschäft durch größere Aktionen gestört. Doch anders als in anderen Branchen wurde der Arbeitskampf bisher in der Öffentlichkeit nicht als starke Beeinträchtigung wahrgenommen.
1,7 Prozent liegt «unter der Teuerungsrate»
Verdi fordert die Arbeitgeber nun erneut auf, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Ein Plus von 1,7 Prozent, wie es sich die Arbeitgeber vorstellen, liege unter der Teuerungsrate, sagt Mönig-Raane. Die Klage, der Handel habe kein Geld, sei so alt wie die Tarifauseinandersetzungen in der Branche. Nach ihren Angaben gewährt mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen ihren Beschäftigten freiwillig mehr Geld.
So habe Real im Dezember eine Einmalzahlung von 200 Euro gewährt. Netto zahle seit Anfang Januar 2,5 Prozent, Globus 1,7 und die schwedische Möbelkette drei Prozent mehr. Bei Rewe werde ein Übergangstarifvertrag verhandelt. Danach sollen die Beschäftigten für 2007 pro Monat des gekündigten Tarifvertrags 50 Euro und von Jahresbeginn an drei Prozent mehr erhalten.
Wirtschaftliche Sitation vieler Unternehmen kritisch
Verdi spricht vom härtesten Arbeitskampf in der Geschichte des Einzelhandels, an dem sich schon mehr als 150.000 Beschäftigte beteiligt hätten. Die Branche zeigt sich mittlerweile auch besorgt über die Dauer des Konflikts. Die wirtschaftliche Situation sei nach wie vor kritisch. Viele Unternehmen kämpften ums Überleben, hieß es Ende Januar in einem Brief der Handelsverbände HDE und BAG an Mönig- Raane.«Das vergangene Jahr ist mit einem realen Umsatzminus von 2,2 Prozent deutlich schlechter gelaufen als erhofft», sagt Heribert Jöris vom BAG-Verband, der vor allem die großen Warenhäuser in den Innenstädten vertritt. Nach einem nur durchwachsenen Weihnachtsgeschäft sei auch der Winterschlussverkauf Ende Januar weitgehend ins Wasser gefallen. Und wenig optimistisch stimmen die jüngsten Prognosen. So soll nach dem Jahreswirtschaftsbericht der private Verbrauch gerade einmal um 1,1 Prozent anziehen und das bei einer erwarteten Inflation von gut 2 Prozent, betont Jöris.
Streitpunkt sind auch die Spät- und Feiertagszuschläge.
«Die Zuschläge haben sich überlebt. Wir sind aber bereit, über andere Themen wie Langzeitkonten, variables Entgelt und tarifliche Altersversorgung zu reden», betont HDE-Tarifexperte Anton Wirmer. Gerade die kleineren Händler könnten es sich bei den jetzigen Vorgaben oft nicht leisten, ihre Läden länger zu öffnen. Bereits im vergangenen April war die Tarifrunde gestartet worden, die Manteltarifverträge wurden schon Ende 2006 gekündigt. In Nordrhein-Westfalen, das lange als Pilotbezirk galt, wurde zuletzt im Dezember verhandelt. Seitdem herrscht Stillstand. «Wir haben gesehen, dass ein halbes Jahr im Piloten nichts passiert ist», sagt Mönig- Raane. Nun soll nach dem Willen von ver.di wieder in allen Bezirken verhandelt werden. (dpa, Maren Martell)