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Ludwigshafen nimmt Abschied von Brandopfern

10. Feb 2008 16:18
Weinend schreiten die Angehörigen die Särge ab
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Bei der Trauerfeier für die Toten der Brandkatastrophe von Ludwigshafen waren viele Besucher sichtlich bewegt. Ein Familienmitglied der Opfer wünschte, «dass Deutsche und Türken in bester Freundschaft leben».

Kamil Kaplans Stimme ist brüchig, als er seinen Wunsch äußert. Genau eine Woche ist es her, dass der Türke bei der Brandkatastrophe in Ludwigshafen seine halbe Familie verloren hat. Und jetzt wünscht sich Kaplan, der selbst so schwer verletzt wurde, dass er immer noch an Krücken gehen muss: «Dass Deutsche und Türken in bester Freundschaft leben.» Seine kurze Ansprache treibt vielen der rund 4500 Menschen, die an diesem Sonntag bei der Trauerfeier in Ludwigshafen dabei sind, die Tränen in die Augen.

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Die «interreligiöse Zeremonie» findet unter freiem Himmel statt, auf dem Platz vor dem ausgebrannten Eckhaus mit der Nummer 32. Auch von außerhalb sind viele Leute gekommen, um Abschied von den vier Frauen und fünf Kindern zu nehmen, bevor die Leichen in die Türkei überführt werden. Auffällig allerdings, dass nur wenige Deutsche darunter sind. Eine von ihnen ist Irmtraud Walter. «Mit tut es von Herzen leid, was hier geschehen ist», sagt die Ludwigshafenerin. «Da kann man nicht zu Hause bleiben.»

«Ihr Tod berührt uns tief»

Vor der verrußten Ruine stehen die neun Särge in einer Reihe, bedeckt von türkischen Flaggen. Weinend schreiten die Angehörigen die Särge ab, noch ehe die Trauerfeier begonnen hat. Schon lange vor Beginn der Zeremonie stehen auch schon die ersten Menschen hinter den Absperrgittern, die um den Brandort aufgebaut sind. Einige von ihnen haben sich Bilder der Todesopfer an die Brust geheftet. Die Gitter selbst sind bedeckt mit Blumen, Briefen und Kuscheltieren.

Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse spricht als erste zu den Menschen. «In der Stunde der Trauer empfinden wir großes Mitgefühl, großes Beileid mit den Hinterbliebenen, mit den Familien», sagt die CDU-Politikerin. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) erinnert an die Opfer der Katastrophe: «Ihr Tod berührt uns tief.»

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), wendet sich direkt an die Hinterbliebenen. «Es ist eine schwere Zeit, die Sie jetzt erleben.» Und es würden noch schwere Stunden und Tage auf sie zukommen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei mit ihren Gedanken bei ihnen. Auf die Teilnahme an der Trauerfeier haben die Kanzlerin und ihre Minister allerdings verzichtet.

Schulter an Schulter zum Totengebet

Auch die Vertreter von türkischer Regierung und Opposition betonen das große Leid, das das Feuer über die Familien gebracht hat - zugleich aber auch, wie wichtig es sei, dass die Hintergründe der Katastrophe schnell aufgeklärt würden. Noch immer ist unklar, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Immer häufiger ist nun von einer veralteten Elektrik des Hauses die Rede und von Zweifeln an der Schlüssigkeit der Aussagen zweier Mädchen, die einen Brandstifter gesehen haben wollen.

Auch Vertreter der christlichen Kirchen und der jüdischen Gemeinde reden zu den Trauergästen. Am Schluss stehen die Angehörigen Schulter an Schulter zum Totengebet. Anschließend gehen die Särge auf ihre weite Reise in die Türkei. Dort sollen die Opfer der Katastrophe beigesetzt werden, im Osten Anatoliens, dort, wo die Heimat der Familien ist. Vermutlich an diesem Montag schon. (Marc Strehler, dpa)

 
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