09.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Fahnen und Kränze: Die Szenerie an der Brandruine in Ludwigshafen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, doch noch ist völlig unklar, wie es zum Brand in Ludwigshafen gekommen ist. In den Medien tauchen indes Zweifel an den Aussagen zweier Mädchen auf.
Die Hintergründe der Brandkatastrophe von Ludwigshafen sind weiter unklar. Das erhoffte Phantombild eines möglichen Täters liege bislang nicht vor, sagte Oberstaatsanwalt Lothar Liebig am Samstag. Medienberichte über eine mangelnde Glaubwürdigkeit der zwei Kinder, die in dem abgebrannten Wohnhaus einen Mann beim Zündeln beobachtet haben wollen, wies er jedoch zurück.
«Die Befragung der Mädchen ist überhaupt noch nicht beendet», betonte er. «Wir werden noch ein Stück Geduld haben müssen.» Wegen der Traumatisierung der acht und neun Jahre alten Kinder sei eine Befragung nur mit angemessenen Pausen möglich, was die Arbeit verzögere, erklärte Liebig. «Bislang gibt es keine neuen Erkenntnisse.»
Für eine Verwicklung der rechtsextremen Szene in die Brandkatastrophe gab es laut Polizei bis zum Wochenende keine konkreten Hinweise. Ein Zwischenergebnis der Ermittlungen will die Staatsanwaltschaft voraussichtlich am Montag bekanntgeben.
Zweifel an ZeugenaussagenDas Nachrichtenmagazin «Focus» hatte unter Berufung auf ein Vernehmungsprotokoll berichtet, die Polizei zweifele an der Schlüssigkeit der Zeugenaussagen der zwei Mädchen. Darin hätten die Kinder nur vage Angaben gemacht und sich bei der Beschreibung des angeblich beobachteten Mannes widersprochen.
Ein Polizist fragte demnach eines der beiden Kinder nach der Haarfarbe des möglichen Täters, worauf das Mädchen «schwarz» geantwortet habe. Danach bejahte es die Frage nach Sommersprossen. Auf die Frage, was denn Sommersprossen seien, habe das Mädchen geantwortet: «Weiß nicht.»
Vermutungen über Brandursache im KellerZudem zitierte das Magazin einen Brandfachmann, der erklärt habe, die elektrischen Leitungen in dem Altbau seien «unsachgemäß verlegt worden». Laut «Focus» liegt der Polizei außerdem eine Zeugenaussage vor, dass im Keller des Gebäudes illegal Strom abgezapft wurde. Oberstaatsanwalt Liebig wies die Behauptung zurück: «Erkenntnisse über illegale Stromabnahmen liegen nicht vor», sagte er.
Das Magazin «Der Spiegel» berichtet indes von einem Zeugen, der als erster auf den Brand aufmerksam geworden sein soll. Nach Angaben des Magazins wurde der Mann von seinen Enkelinnen mit den Worten «es riecht verbrannt» auf das Feuer hingewiesen. Daraufhin sei er ins Erdgeschoss gelaufen und habe dort den Brand entdeckt. Ins Untergeschoss habeer nicht mehr vordringen können.
Im Keller fanden die Ermittler dem «Spiegel» zufolge keine Spuren von Brandbeschleuniger, obwohl bei der Suche Messgeräte und Spürhunde eingesetzt worden seien. Bei der Brandkatastrophe am vergangenen Sonntag waren neun Menschen türkischer Herkunft ums Leben gekommen und 60 Personen verletzt worden. (NZ/AP)