Bischöfe suchen Nachfolger für Kardinal Lehmann
08. Feb 2008 10:59
 |  Wer sein Nachfolger wird, ist noch völlig offen: Kardinal Lehmann | Foto: dpa |
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Es gibt viele Namen, aber noch keinen Favoriten. So wird es spannend, wenn die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag einen neuen Vorsitzenden wählen soll.
Fast 21 Jahre stand Kardinal Karl Lehmann an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz - so lange wie kein anderer. Mitte Januar kündigte er aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt an. In der kommenden Woche soll nun sein Nachfolger gewählt werden. Doch wie die Mitglieder der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Würzburg entscheiden werden, ist völlig offen.
Ein Generationswechsel ist ebenso vorstellbar wie eine Übergangslösung. Ohne dass vorher Kandidaten aufgestellt werden, soll am Dienstag in einer geheimen Abstimmung der neue Vorsitzende für die nächsten sechs Jahre gewählt werden. Stimmberechtigt und damit theoretisch auch wählbar ist die gesamte Vollversammlung mit derzeit 70 Mitgliedern, darunter neben den Ortsbischöfen auch Weihbischöfe und andere hohe Würdenträger.
Marx als potenzieller Kardinal
Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass der Nachfolger Lehmanns aus dem Ständigen Rat der Bischofskonferenz kommen wird, in dem jede der 27 deutschen Diözesen in der Regel durch ihren Bischof vertreten ist. Immerhin drei Kardinäle sind neben Lehmann noch im Ständigen Rat vertreten, doch dass einer von ihnen neuer Vorsitzender wird, ist mehr als unwahrscheinlich: Der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky ist wie Lehmann 71 Jahre alt, der streitbare Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner sogar noch rund drei Jahre älter. Kardinal Friedrich Wetter hat sein Amt als Erzbischof von München und Freising schon abgegeben und wird wenige Tage nach der Wahl offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Wetters Nachfolger in München, der bisherige Trierer Bischof Reinhard Marx, wird immer wieder als potenzieller Lehmann-Nachfolger ins Spiel gebracht.
Rückfälliger Kinderschänder
Zu den tonangebenden Bischöfen gehört der wortgewandte und medienerfahrene Geistliche schon lange. Ob die Vollversammlung dem 54-Jährigen jedoch schon wenige Tage nach seiner Einführung in das anspruchsvolle Münchner Bischofsamt das Vertrauen schenken und ihn zusätzlich noch zum obersten deutschen Bischof wählen wird, ist fraglich - nicht nur, weil zuletzt auch bekannt geworden war, dass Papst Benedikt XVI. lieber den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller als Münchner Erzbischof gesehen hätte. Dass Müller unter den deutschen Bischöfen mehrheitsfähig ist, kann getrost bezweifelt werden. Mit der Auflösung des Diözesanrats, der Laienvertretung in seiner Diözese, war er 2005 in Kirchenkreisen in die Kritik geraten. Dass im Bistum Regensburg ein wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafter Pfarrer erneut als Gemeindepfarrer eingesetzt und dann rückfällig wurde, sorgte auch in der Bischofskonferenz für ungewöhnlich deutliche Missbilligung.
Generationswechsel oder Übergangslösung?
Lehmann selbst sprach in seinem Rücktrittsschreiben von einem notwendigen Generationswechsel in der Bischofskonferenz. «Es ist Zeit für eine Wachablösung», schrieb er und verwies auf die Ernennung der Bischöfe Marx sowie Franz-Peter Tebartz-van Elst (48) für das Bistum Limburg und Karl-Heinz Wiesemann (47) für das Bistum Speyer. Als neue Vorsitzende der Bischofskonferenz kämen in diesem Sinne bereits in ihrem Amt gefestigte Bischöfe in Frage, etwa der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode (56) oder der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick (58). Die institutionell einfachste Lösung wäre, den bisherigen Stellvertreter Lehmanns zum Vorsitzenden zu machen. Doch der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, der diesen Posten innehat, winkte sofort ab. Mussinghoff gehe davon aus, dass bei der Frühjahrsvollversammlung das gesamte Team neu gewählt werde, sagte ein Sprecher seines Bistums. Mussinghoff gilt ebenso als Mann der Mitte wie Lehmann oder der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch.
Unergründliche Wege
Der 69-Jährige zählt zu den einflussreichsten Bischöfen und kann sich deswegen durchaus Chance auf den Vorsitz ausrechnen, käme wegen seines Alters aber wohl nur für eine Amtszeit in Frage. Wenig wahrscheinlich gilt unter Beobachtern dagegen ein Richtungswechsel hin zum konservativeren Flügel, dem neben dem Kölner Kardinal Meisner auch der streitbare Augsburger Bischof Walter Mixa (66) zugerechnet wird, der zuletzt mit seiner massiven Kritik an den Kinderbetreuungsplänen von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) für bundesweites Aufsehen gesorgt hatte. Doch die Wege der Bischofskonferenz sind bisweilen unergründlich. So wurde schon auf der Vollversammlung der Bischofskonferenz im Herbst 1987 nicht der zunächst favorisierte Münchner Kardinal Wetter zum neuen Vorsitzenden gewählt, sondern der mit damals 51 Jahren für ein Leitungsamt in der katholischen Kirche sehr junge Lehmann. (Stephan Köhnlein, AP)