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Ludwigshafener Türken glauben an Brandstiftung

07. Feb 2008 15:59
Türkische Einwohner von Ludwigshafen trauern um die Brandopfer
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Einiges spricht dafür, dass die Katastrophe von Ludwigshafen ein Brandanschlag war. Vor zwei Jahren flogen schon einmal Brandsätze auf das Haus. Doch die Ermittlungen lieferten noch keine konkreten Ergebnisse.

Am Tag vier nach der tragischen Brandkatastrophe spannt sich ein kobaltblauer Himmel über die verkohlte Ruine des abgebrannten Wohnhauses am Danziger Platz. Noch immer beobachten vornehmlich türkische Passanten das geschäftige Treiben von Feuerwehr und Polizei am Brandort. Und obwohl die Töne unter den Menschen moderat sind, zeigen sich die meisten vor Ort, insbesondere die türkischen Bürger, überzeugt, dass es Brandstiftung war.

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Als Zeichen der Trauer um die neun Toten, darunter fünf Kinder, hängen Blumenkränze am Zaun vor der Ruine. Es hilft nichts, dass die Behörden immer wieder betonen, die Ursache des Feuers sei noch nicht ermittelt. Als Indizien für einen möglichen Anschlag werden auf der Straße und in Medien Vorgänge aus der Vergangenheit herangezogen: Im Sommer 2006 hatten unbekannte Täter zwei Brandsätze in das von türkischen Familien bewohnten Gebäude geworfen, und neben dem Eingang zu einem türkischen Kulturverein im Erdgeschoss wurden zwei Mal «Hass» mit Nazi-Runen geschrieben. Das seien nicht die einzigen rechtsextremistischen Schmierereien, sagen Nachbarn.

Treffpunkt von Rechtsradikalen

Außerdem weiß man, dass sich vor mehr als zehn Jahren Rechtsradikale regelmäßig in dem nun abgebrannten Haus getroffen hatten. Zudem wird auf die Zeugenaussagen der beiden kleinen Mädchen verwiesen, die kurz vor Ausbruch des Feuers einen Mann gesehen haben wollen, der ein Blatt und einen Stock im Treppenhaus angezündet haben soll.

«Man kann den Menschen nicht verübeln, dass sie aufgrund all dieser Geschichten misstrauisch sind», sagt Haydar Ayciek, ein Kraftfahrer aus Mannheim, der gemeinsam mit vielen Landsleuten auf dem mit Trauerkränzen behängten Platz auf Neuigkeiten wartet.

Wenn es Fremdenhass war

Schilder stehen hier neben kleinen Kerzen und fragen schlicht «Warum?». Kaum einer hier hält einen technischen Defekt als Brandursache für wahrscheinlich. Aber die Stimmung sei trotzdem ruhig, sagt Ayciek. «Wir vertrauen der deutschen Polizei.» Aber es herrscht auch eine Atmosphäre der Unsicherheit. Was, wenn es wirklich Fremdenhass war?

Bulur Turgut, der Neffe des Hausbesitzers, in dem sich die Tragödie abspielte, bereut inzwischen die harschen Vorwürfe, die er am Tag nach dem Brand über die Medien an die Feuerwehr gerichtet hat. Es sei die pure Verzweiflung gewesen. Turgut trägt seinen kleinen Sohn auf dem Arm: «Natürlich geht die Angst um in unserer Gemeinde. Wenn es ein Anschlag war, dann sind die Täter immer noch frei.»

«Keine neuen Erkenntnisse»

Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse kann gegen solche Gefühle nichts anderes tun, als schnellstmögliche Aufklärung zu versprechen. Sie betont die Solidarität aller Bürger mit den Familien, sie verweist auf die große Spendenbereitschaft, sie bietet Unterkünfte, Hilfe bei Reisen von und in die Türkei.

Immer wieder schaut sie am Ort des Geschehens vorbei, drückt Hände, tröstet, nimmt Menschen in den Arm. Aber die Verbreitung der Gerüchte kann sie nicht aufhalten. «Unsere Fortschritte hängen nun an den Erkenntnissen der Brandexperten», sagt Polizeipräsident Wolfgang Fromm. Aber er dämpft die Erwartungen: «Heute rechnen wir nicht mehr mit neuen Erkenntnissen.»

Ein Stück Heimat verloren

Einstweilen treffen sich die türkischen Bürger, die nicht nur ein Haus, sondern mit dem Kulturzentrum auch einen gemeinsamen Treffpunkt verloren haben, nun im «Haus der Jugend» unweit des Brandorts. Dort sprechen sie über die Geschehnisse der letzten Tage. Auch Bülent Özkcpli ist dabei, einer der Hausbesitzer.

Er konnte sich mit seiner Frau Behye und seiner Tochter Melda vor den Flammen retten. Seine Familie hat überlebt. Das kleine Mädchen liegt noch immer im Krankenhaus, ist aber außer Gefahr. Özkcpli will nichts sagen. Nur so viel: «Wohin wir nun gehen sollen, wissen wir nicht. Wir haben ein Stück Heimat verloren; nicht nur eine Wohnung.» (Von Jochen Schönmann, AP)

 
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