Türkischer Staatsminister in Ludwigshafen
05. Feb 2008 19:30, ergänzt 06. Feb 2008 10:24
 |  Das Wohnhaus ist nur noch eine Ruine | Foto: dpa |
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Deutsche Ermittler wollen gemeinsam mit türkischen Kollegen nach der Ursache der Brandkatastrophe suchen. Nach Angaben von zwei Mädchen soll ein Phantombild des mutmaßlichen Brandstifters gefertigt werden.
In Begleitung von Polizeiexperten will der türkische Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu am Mittwoch den Ort der Brandkatastrophe von Ludwigshafen besuchen. Yazicioglu ist für die im Ausland lebenden Türken zuständig. Begleiten wird den Staatsminister seine deutsche Kollegin, die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU). Die Ludwigshafener Polizei will den türkischen Experten Einblick in ihre Ermittlungsarbeit gewähren.
Nach der Feuerkatastrophe in Ludwigshafen mit neun Toten forderte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan eine rasche Aufklärung der Ursache des Brandes, bei dem am Sonntag 60 Menschen teils schwer verletzt worden waren.
Er erwägt, den Unglücksort im Rahmen seines Deutschlandbesuchs am Donnerstag aufzusuchen. Zudem hat die türkische Regierung beschlossen, eigene Ermittler an den Unglücksort zu entsenden. «Wir wollen, dass der Vorfall so schnell wie möglich aufgeklärt wird», sagte Ministerpräsident Erdogan. Er äußerte seine Sorge, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte. «Wir wollen kein zweites Solingen erleben.» In Solingen war 1993 ein von Türken bewohntes Haus von Jugendlichen angezündet worden. Fünf Mädchen und Frauen starben. Innenminister Wolfgang Schäuble, der sich bis Mittwoch in Ankara aufhält, warnte jedoch dort vor Fernsehkameras, voreilige Schlüsse auf einen politischen Hintergrund zu ziehen.
Mädchen wollen zündelnden Mann gesehen haben
Der rheinland-pfälzische Generalstaatsanwalt Albrecht Pendt sagte, die türkischen Beamten dürften an den Ermittlungen teilnehmen. Der türkische Botschafter Aehmet Ali Irtemcelik und die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse legten am Dienstag vor der Brandruine Kränze für die Opfer nieder. Acht der Verletzten werden noch in Krankenhäusern behandelt, davon drei mit schwersten Verbrennungen auf der Intensivstation. Deren Zustand sei stabil, hieß es.
Am Ort der Brandkatastrophe von Ludwigshafen wollen die Ermittler am Mittwoch mit der Suche nach der Ursache des verheerenden Feuers beginnen. «Die Ermittler sind mit Brandspürhunden vor Ort und warten auf die Erlaubnis, in das Haus zu gehen», sagte Polizeisprecherin Simone Eisenbarth der AP. In den Einsatz der Hunde setze die Polizei große Hoffnungen: Diese seien darauf dressiert, Brandbeschleuniger ausfindig zu machen. Die Ermittler gehen nach der Aussage zweier Mädchen auch Hinweisen auf Brandstiftung nach. Die türkischen Kinder wollen einen Fremden beim Zündeln im Treppenhaus gesehen haben.
Mutmaßlicher Brandstifter mit Phantombild suchen
Anhaltspunkte für Brandstiftung geben die schnelle Ausbreitung des Feuers und die Aussagen der Mädchen bei der Polizei. Sie berichteten auch vor Fernsehkameras, ein Mann habe ein Feuerzeug, ein Blatt und einen Stock in der Hand gehabt. «Der hat mit einem Feuerzeug ein Stöckchen angezündet und das dann neben dem Kinderwagen in den Flur geworfen», sagte ein Mädchen einem RTL-Reporter. Die Polizei erklärte lediglich, die Aussagen würden geprüft. Die Polizei will nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen nun mit einem Phantombild nach dem mutmaßlichen Brandstifter suchen. Es sei geplant, im Lauf des Mittwochs ein entsprechendes Bild zu erstellen, sagte Polizeisprecher Volker Klein. Ob es dazu komme, sei aber im Wesentlichen von der Belastbarkeit der beiden acht und neun Jahre alten Mädchen abhängig, die vor Ausbruch des Feuers in dem Gebäude einen Mann beim Zündeln gesehen haben wollen. Klein sagte, die Polizei nehme jeden Hinweis ernst, der zur Aufklärung der Brandursache beitragen könne. Am Mittwochvormittag waren Feuerwehr und Technisches Hilfswerk nach Polizeiangaben noch immer damit befasst, Gebäudeteile abzutragen, um den Brandermittlern den Weg in das zerstörte Haus zu ebnen.
50-köpfige Sonderkommission
Die Staatsanwaltschaft Frankenthal teilte am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit, es werde in allen Richtungen ermittelt; auch ein technischer Defekt komme in Frage. An der Aufklärung der Brandursache arbeitet eine 50-köpfige Sonderkommission. Über politische Motive wird spekuliert, weil im Sommer 2006 zwei Brandsätze in das von türkischen Familien bewohnten Gebäude geworfen worden waren. Die Täter blieben unerkannt. Unterdessen suchten Ermittler mit zwei Spürhunden die Ruine ab, ohne weitere Opfer zu finden. Experten versuchen das Gebäude zu sichern. Die Feuerwehr erklärte, das Feuer sei vermutlich im weitgehend aus Holz gefertigten Treppenhaus des Gebäudes ausgebrochen. Das Erdgeschoss mit einem Kulturzentrum sieht relativ unbeschädigt aus.Bei dem Brand waren am Sonntag neun Menschen getötet und 60 verletzt worden. Von den Toten waren acht an Rauchgasvergiftung gestorben. Eine Frau starb, nachdem sie in Panik aus dem brennenden Gebäude gesprungen war. (AP)