29. Jan 2008 18:05
Er ist eine Schlüsselfigur der deutschen Geschichte: Paul von Hindenburg, Militärlegende und Monarchist. Der Reichspräsident machte Hitler zum Reichskanzler – das Ende der Weimarer Republik war besiegelt.
Doch 1918 scheitert die von beiden verantwortete Frühjahrsoffensive. Der Krieg ist verloren. Vor dem Untersuchungsausschuss verbreitet Hindenburg die «Dolchstoßlegende»: Die deutschen Truppen seien «im Felde unbesiegt» gewesen, hätten aber von vaterlandslosen Zivilisten einen Dolchstoß in den Rücken erhalten. Diese Verschwörungstheorie ist ein kalkulierter Angriff auf die Sozialdemokraten, der das Klima in der jungen Demokratie vergiftet.Nach dem Tod Friedrich Eberts 1925 wird Hindenburg als Kandidat der Konservativen und Rechten Reichspräsident. Zur Enttäuschung der Rechten ist er aber nicht bereit, die verhasste Republik zu beseitigen. Der alte Monarchist, der noch immer davon träumt, die Hohenzollern zurückzuholen, ist der republikanischen Verfassung treu.
Doch der Greis ist immer weniger Herr der Lage. Systematisch wird er von der Beraterclique um seinen intriganten Sohn Oskar abgeschirmt und desinformiert. In dem Glauben, Ex-Kanzler Schleicher plane für den nächsten Tag einen Staatsstreich, stimmt Hindenburg am 29. Januar 1933 der Vereidigung eines Kabinetts Hitler zu. Der alte Weltkriegs-Weggefährte Ludendorff, der für mehr als ein Jahrzehnt in der Bedeutungslosigkeit verschwunden war, protestiert: «Ich prophezeie Ihnen feierlich, dass dieser unselige Mann unser Reich in den Abgrund stürzen und unserer Nation unfassbares Elend bringen wird. Kommende Geschlechter werden Sie wegen dieser Handlung in Ihrem Grabe verfluchen.»Der immer hinfälligere Hindenburg erfüllt Hitler nun jeden Willen: Er unterschreibt Reichstagsbrandverordnung und Ermächtigungsgesetz und ermöglicht damit die Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur. Beim inszenierten «Tag von Potsdam» am 21. März 1933 nimmt der 86-Jährige die Ehrerbietung von Reichskanzler Hitler entgegen – ein bedeutender Prestigegewinn für das NS-Regime. Das Elend, das Hitler über Deutschland bringt, erlebt Hindenburg nicht mehr. Er stirbt am 2. August 1934. (Von Matthias Armborst, AP/nz)