NSDAP - Von der Splittergruppe zur Massenpartei29. Jan 2008 18:05  |  Beitritt in den USA: Schon vor 1933 rekrutierte die NSDAP auch im Ausland neue Mitglieder | Foto: AP |
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Nach dem gescheiterten Novemberputsch 1923 rutschten die Nationalsozialisten in die Bedeutungslosigkeit ab. Doch Hitler formte aus der Bewegung eine Massenpartei, der bei Kriegsende viele Millionen Deutsche angehörten.
Ohne Hitler wäre die NSDAP wahrscheinlich eine Splitterpartei mit ein paar hundert Mitgliedern geblieben. Er machte sich die Organisation seit den frühen 1920er Jahren systematisch zu Nutze und baute sie für seine Ziele um. Wie ein Spinnenetz legte sich die NSDAP nach 1930 allmählich auf die sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche Deutschlands. Bis ins Privatleben der Menschen übte sie Kontrolle aus.
Thema: Hitlers Machtübernahme |
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Anfang 1919 wurde die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) in München gegründet und gut ein Jahr später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umgetauft. Hitler trat im September 1919 bei, 1921 wurde er Vorsitzender. Schon das Programm von 1920 nannte die Schaffung eines Großdeutschlands, die Revision des Versailler Vertrages, die Einrichtung deutscher Kolonien und den Kampf gegen die Juden als politische Ziele. Das Hakenkreuz war das Parteisymbol, der «Völkische Beobachter» das Parteiorgan. Die SA (Sturmabteilung) wurde seit den frühen 1920er Jahren unter Ernst Röhm von der Saalschutztruppe zur Kampfgruppe, die sich mit ähnlichen Verbänden anderer extremistischer Parteien Straßenschlachten lieferte. Nach dem gescheiterten Putsch der Nationalsozialisten am 9. November 1923 wurden NSDAP und SA verboten.
Stichwort: HakenkreuzDas Hakenkreuz war eines der wichtigsten Symbole des Nationalsozialismus. Ab 1920 nutzte es die NSDAP als ihr Parteizeichen, SA-Männer trugen es auf Plakaten, Fahnen und Armbinden. Schließlich wurde es Staatssymbol des «Dritten Reichs». Mit dem Hakenkreuz griffen die Nazis ein frühgeschichtliches Symbol auf, das bei den Kelten und Germanen, aber auch in Indien, Ostasien und Nordamerika und im Judentum vorkam. Es stand für die segensreiche Kraft der Sonne, symbolisierte die vier Himmelsrichtungen oder die verschiedenen, einem Menschen offen stehenden Lebenswege. Völkische Kräfte der Kaiserzeit verstanden das Hakenkreuz hingegen als Symbol des «Ariertums» und des Kampfes gegen die jüdische Rasse. 1935 wurde das Hakenkreuz die alleinige Flagge des Deutschen Reiches. Die schwarz-rot-goldene Fahne der Demokratiebewegung von 1848 wurde verboten. Im öffentlichen Leben war das Symbol allgegenwärtig: An Feiertagen mussten öffentliche Gebäude mit Hakenkreuzflaggen geschmückt werden. Alle amtlichen Briefe und Stempel zeigten das Symbol, sogar auf Essbestecken und an Christbäumen war es zu sehen. Heute ist das Hakenkreuz Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation und damit verboten. |
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Nach seiner Entlassung aus der Festungshaft 1925 machte sich Hitler an den Neuaufbau der Partei. Er verwandelte sie in eine schlagkräftige Organisation mit dem Ziel, über demokratische Wahlen an die Macht zu kommen. Seit 1926 wurden parteiintern der Hitlergruß eingeführt und der Parteichef als «Führer» bezeichnet. Die SA wurde wieder aufgebaut; zu Hitlers persönlichem Schutz entstand die SS (Schutzstaffel). Auf Parteitagen wurden Führerkult und Gemeinschaftsgefühl mit Aufzügen, Treuegelöbnissen und Fackelmärschen zelebriert. Noch war die NSDAP eine von mehreren kleinen antisemitisch-völkischen Parteien. Aber ihre finanzielle Ausstattung war besser – Zuwendungen aus der Wirtschaft, Eintrittsgeld, Mitgliedsbeiträge und später die Aneignung jüdischer Vermögen füllten die Kassen.
Partei des «kleinen Mannes» Programmatisch richtete sich die Partei vor allem an «den kleinen Mann», an die Mittelschicht, die sich vor wachsender Massenarbeitslosigkeit und sozialem Abstieg in der Weltwirtschaftkrise fürchtete. An der Spitze stand Hitler mit umfassender Befehlsgewalt. Ähnlich wie im Staat waren alle Parteiämter ihm untergeordnet und weisungsgebunden. Bis zu 18 Reichsleiter hatten eine ähnliche Stellung wie die Reichsminister. Es gab Parteiorganisationen für zahlreiche soziale und gesellschaftliche Gruppen. Mit der Hitler-Jugend (HJ) und dem Bund Deutscher Mädel (BDM) verschaffte sich die Partei Zugriff auf die Jugend. Komplett wurde das Spinnennetz der NSDAP mit der politischen Organisation, die sich in Gaue, Kreise, Ortsgruppen, Zellen und Blocks gliederte. Der Block als kleinste Einheit umfasste 40 bis 60 Haushalte.
 |  Hitler, 1938 bei einem Aufmarsch in Nürnberg
| Foto: AP |
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Vor Hitlers Aufstieg war die NSDAP ein «trüber Hinterstubenverein mit wenigen hundert wenig bedeutenden Mitgliedern», urteilte der Publizist Sebastian Haffner in seinem Buch «Anmerkungen zu Hitler». Er habe sie zur «dampfenden und stampfenden Wahlkampfmaschine» gemacht, die ihn im Januar 1933 schließlich ans Ziel brachte. 1925 zählte die Partei 27.000 Mitglieder, 1928 rund 100.000 und während der Weltwirtschaftskrise 1929 rund 400.000. Nachdem Hitler die NSDAP 1933 mit dem Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat zur Staatspartei gemacht hatte, nachdem die anderen Parteien zerschlagen oder aufgelöst und Neugründungen verboten waren, zählte die NSDAP 1,5 Millionen Mitglieder. 1945 waren etwa 8,5 Millionen Deutsche in Hitlers Partei. Für Karriere und sozialen Aufstieg galt ein Parteibuch als nahezu unumgänglich.
Aufstieg dank Weltwirtschaftskrise 1928 waren die Nazis mit einem Stimmanteil von 2,6 Prozent eine Splitterpartei. Die Weltwirtschaftskrise katapultierte sie im September 1930 auf 18,3 Prozent und machte sie zur zweitstärksten Fraktion nach der SPD. Mit 37,4 Prozent wurde sie im Juni 1932 stärkste Fraktion. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits in vielen Länderparlamenten vertreten. Im September 1932 verlor sie vier Prozentpunkte, und die Kasse war leer. Doch nach dem Zusammenbruch der Regierung Schleicher war Hitler am Ziel und wurde zum Kanzler einer nationalistischen Koalition ernannt. Er hatte die Macht formal legal übernommen.
Dass die NSDAP nicht früher mitregieren konnte, lag nicht nur am zähen Widerstand des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Hitler hatte sich bei den anderen Parteien nicht mit dem Anspruch auf die Kanzlerschaft durchsetzen können. In der letzten Reichstagswahl am 5. März 1933 erreichten die Nazis mit 43,9 Prozent das beste Wahlergebnis aller Zeiten. Die für die Ausschaltung von Parlament und Parteien nötige Zweidrittelmehrheit holten sie sich bei den Oppositionsparteien außer SPD und KPD, um zwei Wochen später die Ermächtigungsgesetze zu verabschieden. 1945 wurde die NSDAP verboten. (Doris Berve-Schucht, AP/nz)
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