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Hitler – Aufstieg eines Despoten

29. Jan 2008 18:05
Hitler bei einer Sitzung der NSDAP 1932. Von links: Göring, Frick, Hitler, Strasser und Stöhr
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Niemand hat so viel Hysterie und Heilserwartung geweckt wie Hitler – und niemand so viel Hass erzeugt. Der Diktator hinterließ eine Spur der Zerstörung mit Millionen von Toten und einem Kontinent in Trümmern.

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Bis zu seinem 30. Lebensjahr deutete nichts darauf hin, dass aus der gescheiterten Existenz Adolf Hitler dereinst ein machtbesessener Diktator erwachsen würde. Ein Despot, strebend nach Weltherrschaft. Ein Rassist, getrieben vom Glauben an eine Überlegenheit von Menschen arischer Abstammung. Ein Verbrecher, dessen Kriegs- und Vernichtungsmaschinerie mehr als 50 Millionen Menschen tötete. Seine Biografie weist eine enorme Diskrepanz zwischen erster und zweiter Lebenshälfte auf.

Thema: Hitlers Machtübernahme
Geboren am 20. April 1889 in der oberösterreichischen Grenzstadt Braunau am Inn als Sohn eines Zollbeamten, verließ er die Realschule in Linz im Alter von 16 Jahren ohne Abschluss. Auch die Aufnahmeprüfung an der Wiener Kunstakademie schaffte Hitler in zwei Anläufen nicht. Dennoch zog er nach Wien, wo er sich mehr schlecht als recht als Maler von Postkarten und Miniaturen verdingte und zeitweise im Obdachlosenasyl lebte. 1913 ging Hitler nach München – um sich dem Wehrdienst für Österreich zu entziehen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr darauf meldete er sich aber freiwillig zum Kriegsdienst in Deutschland. Befördert wurde er indes nie – weil man keine Führereigenschaften an ihm entdecken konnte, wie ein Vorgesetzter später aussagte. Den Krieg beendete er als Gefreiter.

Dilettantischer Putschversuch

In den Wirren der Nachkriegszeit fand Hitler den Weg in die Politik. Während Zeitzeugen ihn als farblos und unscheinbar beschrieben, zeigte der Redner und Einpeitscher Hitler schnell sein Talent. Im Oktober 1919 trat er der antisemitisch ausgerichteten Deutschen Arbeiterpartei (DAP) bei, an deren Umgestaltung und Umbenennung zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) er maßgeblich beteiligt war. Im Juli 1921 wurde er Parteivorsitzender. Am 8. November 1923 startete Hitler gemeinsam mit Erich Ludendorff einen dilettantischen Putschversuch, der kläglich scheiterte. Wegen Hochverrats wurde Hitler zur Mindeststrafe von fünf Jahren Haft verurteilt, von der er aber nur ein Jahr in der Festung Landsberg absitzen musste. In dieser Zeit diktierte er seinem Sekretär Rudolf Heß den ersten Teil seines Buches «Mein Kampf». Darin beschrieb er offen seine politischen Ziele und die Ideologie des Nationalsozialismus.

Stichwort: "Mein Kampf"
Das Buch «Mein Kampf» war die grundlegende Schrift des Nationalsozialismus. Sie wurde von Adolf Hitler und seinem späteren Stellvertreter Rudolf Heß während der gemeinsamen Festungshaft in Landsberg verfasst. Der erste Teil des Buchs erschien 1925 in 10.000 Exemplaren im Parteiverlag der NSDAP. Von 1930 an gab es eine einbändige, 780-seitige Ausgabe. Bis Ende 1933 druckte der Verlag 1,5 Millionen Exemplare.
Die historische Bedeutung von «Mein Kampf» ist umstritten: Einige Forscher sehen das Buch als Propagandaschrift. Andere sind der Auffassung, in «Mein Kampf» habe Hitler wichtige politische Ziele früh offenbart. So wird der Plan, weite Gebiete Osteuropas und der Sowjetunion für Deutsche zu erobern, deutlich beschrieben. Auch verlangt Hitler in dem Buch ausdrücklich die Tötung von Juden.
Hitlers autobiografische Angaben in «Mein Kampf» sind «weithin falsch und lückenhaft», so der Historiker Eberhard Jäckel: «Sie dienen nur als Mittel, um die erst nach 1919 entstandenen Anschauungen Hitlers scheinbar aus seinem Leben abzuleiten.»
Seit der Machtübernahme 1933 war das Buch allgegenwärtig: Es wurde auf Standesämtern, als Buchprämie beim Schulabschluss oder bei der Aufnahme in die NSDAP verteilt. Bis 1945 kamen rund 12,5 Millionen Exemplare in Umlauf.
Dank der Berichterstattung über den Prozess wurde Hitler landesweit als der radikalste aller völkischen Politiker bekannt. Doch der momentane wirtschaftliche Aufschwung in der Weimarer Republik bot radikalen Parteien wenig Raum für ihre Agitation. Zum Durchbruch verhalf Hitler erst die Weltwirtschaftskrise, die Ende 1929 ausbrach und Deutschland besonders hart traf.

1925 hatte Hitler die österreichische Staatsbürgerschaft freiwillig aufgegeben, wurde aber erst im Februar 1932 deutscher Staatsangehöriger, was ihm die Tür zu hohen politischen Ämtern öffnete. Nachdem die NSDAP bei den Reichstagswahlen im selben Jahr relativ die stärkste Partei wurde, ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg ihn am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Nach dem Reichstagsbrand, der den Kommunisten untergeschoben wurde, erreichte Hitler von Hindenburg den Erlass von Notverordnungen, mit denen er in der Lage war, Grundrechte für eine begrenzte Zeit außer Kraft zu setzen.

Der angehende Diktator strebte jedoch eine dauerhafte Regelung an, das sogenannte Ermächtigungsgesetz. Dazu benötigte er eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag. Als diese bei der Abstimmung am 23. März 1933 zunächst nicht erreicht wurde, hinderten Hitlers SA und die Hermann Göring unterstehende preußische Polizei einen Teil der Abgeordneten, an der entscheidenden Parlamentssitzung teilzunehmen. Das Gesetz wurde beschlossen und einen Tag später verkündet. Mit dem Inkrafttreten des Ermächtigungsgesetzes begann, was in der zeitgenössischen Propaganda als «Drittes Reich» bezeichnet wurde. Ihr Ende fand die nationalsozialistische Diktatur erst gut zwölf Jahre später mit Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 und der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg am 8. Mai 1945. (Stephan Köhnlein, AP/nz)

 
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