22. Jan 2008 12:31, ergänzt 27. Jan 2008 20:55
Die Tochter eines Opel-Arbeiters hat die hessische SPD aus dem Tief geholt - als Parteilinke steht sie beharrlich für die Grundwerte der SPD.
Auch wenn ihre Partei die Landtagswahl nicht gewinnen sollte, steht die 50-Jährige bereits jetzt als Siegerin fest. Es ist einer der für Ypsilanti typischen Momente, als sie vor rund 600 Anhängern in einer Gießener Sporthalle über ihre Herkunft spricht. «Ich bin als Sohn eines Opel-Arbeiters in Rüsselsheim geboren», sagt sie stolz. Eine Schrecksekunde später fällt ihr der Versprecher auf. Sie lacht herzlich und fügt dann hinzu: «Das kommt davon, dass man so lange in einer Männerwirtschaft unterwegs ist.» Die einstige Männerwirtschaft der hessischen SPD wird heute von einer Frau dominiert. Früher haben Gegner, Parteifreunde und Beobachter über ihre mäßigen Redekünste gelächelt. Heute wird sie für ihre einfachen, klaren Aussagen geliebt. «Kein Kind wird zurück gelassen» lautet ihr Versprechen für die Bildungspolitik. «Die Zeit ist reif für soziale Gerechtigkeit», ist eine andere Botschaft. Ihr Gegner, Ministerpräsident Roland Koch, mache Wahlkampf mit Angst, betont Ypsilanti: «Wir machen Wahlkampf mit Hoffnung.»
Beharrlich war Ypsilanti, als es um die Grundwerte der SPD ging. Deshalb hat sie Schröders Agendapolitik in maßgeblichen Teilen bekämpft. Jetzt, da die SPD die soziale Gerechtigkeit wiederentdeckt, hat die 50-Jährige Rückenwind. Beharrlich war Ypsilanti auch, als es um ihren innerparteilichen Aufstieg ging. Nur ganz langsam rückte sie in der hessischen SPD nach oben. 1991 wird sie hessische Juso-Vorsitzende. 1993 wechselt sie als Referatsleiterin in die hessische Staatskanzlei. Nach einer längeren Familienpause zieht sie 1999, mit knapp 42 Jahren, als Abgeordnete in den Wiesbadener Landtag ein. 2001 wird sie stellvertretende Landesvorsitzende. (Fortsetzung unter der Grafik)
Als nach der Niederlage bei der Landtagswahl 2003 niemand die Führung der Hessen-SPD übernehmen will, greift Ypsilanti nach dem Steuer und bringt die Landespartei auf klaren Linkskurs. Ihre Kritik an Hartz-Gesetzen, Bahnprivatisierung und Unternehmenssteuerreform wird wahrgenommen, weil sie sich dabei mit den Mächtigen in der SPD anlegt.