Christian Wulff – der ungebrochen Populäre
22. Jan 2008 12:28, ergänzt 27. Jan 2008 20:57
 |  Machtinhaber Wulff
| Foto: dpa |
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Die unangenehmen Aufgaben der Regierungsarbeit überlässt er gern seinen Ministern. Der Seit 2003 amtierende Ministerpräsident ging als klarer Favorit in die niedersächsische Landtagswahl.
Der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel hat sich der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff längst untergeordnet. Zu den zehn wichtigsten deutschen Politikern des ZDF-Politbarometers, deren Liste er einst anführte, zählt der CDU-Landeschef und einstige Merkel-Rivale auch nicht mehr.
Dennoch ist die Popularität des 48-jährigen Anwalts in Niedersachsen ungebrochen. Nach allen Umfragen war Wulff deutlich beliebter als sein SPD-Herausforderer Wolfgang Jüttner und läge bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten klar vorn. Auch nach fünf Jahren Amtszeit an der Spitze der Landesregierung ist Wulff immer noch der jüngste unter den 16 Länderchefs der Republik. Er hat in der 2003 in Niedersachsen etablierten CDU/FDP-Koalition zwar unumstritten das Sagen, pflegt aber nach Außen hin einen eher präsidialen Regierungsstil. So überließ er die unpopulären Sparmaßnahmen bei den Landesbediensteten vor allem seinem Finanzminister Hartmut Möllring (CDU). Für die in Kirchenkreisen unbeliebte strenge Flüchtlingspolitik steht etwa Landesinnenminister Uwe Schünemann (CDU), der sich auch in Fragen der inneren Sicherheit als stets Hardliner zu Wort meldete.
Wulff auch für Mindestlöhne
Wulff selbst versucht sich dagegen seit einiger Zeit in der Mitte zu profilieren und will auch der SPD Anhänger abwerben. So will der 48-Jährige in Niedersachsen die Gründung einzelner Gesamtschulen wieder erlauben. Das Gründungsverbot für Gesamtschulen hatte seine CDU/FDP-Koalition erst 2003 im Schulgesetz festgeschrieben. Beeindruckt vom Jobwachstum in den USA propagierte Wulff einst den Ausbau eines Niedriglohnsektors und setzte sich zudem für betriebliche Öffnungsklauseln in Tarifverträgen ein. Mittlerweile betont er: «Christdemokraten sind auch für Mindestlöhne.» (Fortsetzung unter der Grafik)
Der IG Metall stellte er Engagement für eine neue Altersteilzeitregelung in Aussicht. Selbst in der Atompolitik ist der niedersächsische CDU-Chef gemäßigter geworden. Für die niedersächsischen Kernkraftwerke stelle sich die Frage längerer Laufzeiten derzeit nicht, sagt der Ministerpräsident. Zweifellos konnte Wulff auch vom Wirtschaftsaufschwung profitieren, der die Arbeitslosenzahl sinken und die Steuereinnahmen steigen ließ.
Keineswegs geradlinig
Dennoch musste der Ministerpräsident auch wirtschaftspolitische Fehlschläge hinnehmen. Bei Volkswagen, dem größten niedersächsischen Unternehmen, hat künftig nicht mehr Niedersachsen, sondern neue Eigentümer Porsche bestimmenden Einfluss. In Wulffs Heimatstadt Osnabrück erhielten zum Jahresanfang 500 Beschäftigte des Autobauers Karmann die Kündigung. Im Landtagswahlkampf warnte Wulff denn auch die eigenen Parteifreunde wiederholt vor verfrühter Siegeszuversicht. Dabei steht dem 48-Jährigen das Beispiel des heutigen Bundesumweltministers Sigmar Gabriel warnend vor Augen. Vor der Landtagswahl 2003 hatte der damalige SPD-Ministerpräsident binnen zwei Monaten einen hohen Umfrage-Vorsprung verspielt und eine bittere Niederlage erlitten.
Auch Wulffs eigene Laufbahn als Berufspolitiker führte keineswegs nur geradlinig noch oben. Er musste auch Rückschläge hinnehmen, die ihn vorsichtig gemacht haben. 1959 in Osnabrück geboren, studierte der bekennende Katholik nach der Schulzeit in seiner Heimatstadt Jura. Schon im Alter von 19 Jahren nahm er als Vorsitzender der Schüler-Union an Bundesvorstandssitzungen der CDU teil.
Trennung kaum geschadet
Später rückte Wulff zum Landeschef der Jungen Union auf, sammelte in Osnabrück erste kommunalpolitische Erfahrungen und wurde bereits als 33-Jähriger zum CDU-Spitzenkandidaten in Niedersachsen gekürt. Gegen den damaligen SPD-Ministerpräsidenten Gerhard Schröder musste der junge Hoffnungsträger dann aber 1994 und 1998 schmerzhafte Wahlniederlagen hinnehmen. Erst bei der Landtagswahl 2003 konnte Wulff seine letzte Chance in Niedersachsen nutzen. Bei der Wahl am kommenden Sonntag kandidiert der Ministerpräsident erneut in seiner Heimatstadt Osnabrück, in der seine Tochter und die von ihm getrennte Ehefrau Christiane leben. Wulff selbst wohnt seit eineinhalb Jahren in Hannover bei seiner Lebensgefährtin Bettina Körner, die von ihm ein Kind erwartet. Wenn Wulffs Scheidung im Frühjahr Rechtskraft erlangt, wollen beide heiraten. Die Popularität des CDU-Politikers hat unter der Trennung von Ehefrau Christiane nicht gelitten. (Jürgen Voges, AP)