Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Wolfgang Jüttner – die Hoffnung der Niedersachsen-SPD

22. Jan 2008 12:22, ergänzt 27. Jan 2008 20:56
SPD-Spitzenkandidat Jüttner
Bild vergrößern
Bei der Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten unterlag er einst Sigmar Gabriel. Nun hatte der Spitzenkandidat der niedersächsischen SPD im Wahlkampf seine zweite Chance - sie blieb ungenutzt.

«Gerechtigkeit kommt wieder» versprach der niedersächsische SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner seit Wochen auf seinen Wahlplakaten. Im Falle eines Wahlsieges wollte der 59-Jährige Studiengebühren und Elternbeiträge für Kindergärten abschaffen, die Lernmittelfreiheit an den Schulen wieder einführen und natürlich für einen gesetzlichen Mindestlohn kämpfen. «Wir spielen nicht auf Platz, wir spielen auf Sieg», betonte er in vielen Wahlkampfreden den für seine Partei eher enttäuschenden Umfragen zum Trotz. Jüttners Wahlziel lautet: «SPD stärkste Kraft in Niedersachsen».

Hintergrund:
Der gelernte Gymnasiallehrer und Soziologe ist ein fleißiger Wahlkämpfer und schon seit November fast täglich zwischen Harz und Nordsee unterwegs. Seinem Wahlziel ist er dabei aber kaum näher gekommen. Die Meinungsumfragen weisen immer noch einen Abstand zwischen niedersächsischer CDU und SPD von mindestens zehn Prozentpunkten aus.

Der 59-Jährige ist eher ein Freund sachlich vorgetragener Argumente, als polemisch-kämpferische Reden. Als Vorsitzender der SPD-Fraktion demonstrierte Jüttner dies oft im Landtag. Und so hielt er es auch beim großen SPD-Wahlkampfauftakt in Braunschweig, wo SPD-Chef Kurt Beck für Stimmung sorgte. Seit seiner Nominierung zum SPD-Spitzenkandidaten im Sommer vergangenen Jahres ist Jüttner die unbestrittene Nummer Eins der niedersächsischen Sozialdemokraten.

Häufig im Schatten

Darauf hatte er lange hingearbeitet, und seine Parteikarriere verlief dabei keineswegs geradlinig. Der SPD trat der heutige Spitzenkandidat 1970 bei. Schon 1977, im Alter von 29 Jahren, war er kurze Zeit geschäftsführender Juso-Bundesvorsitzender, übernahm den Interimsvorsitz der SPD-Jugendorganisation nach dem Parteiausschluss des damaligen Juso-Chefs Klaus Uwe Benneter. Dann verzichtete er aber zu Gunsten von Gerhard Schröder auf eine eigene Kandidatur zum Juso-Chef. Auch später stand Jüttners Parteikarriere häufig im Schatten des späteren Bundeskanzlers. (Fortsetzung unter der Grafik)

Schröder und Jüttner wurden beide 1986 erstmals in den Landtag gewählt. Als Schröder 1990 nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten keine Zeit für die Parteiarbeit mehr fand, führte Jüttner 1990 drei Jahre lang dessen Geschäfte als hannoverscher SPD-Bezirkschef. Anschließend durfte er dann Schröder im Vorsitz des größten niedersächsischen SPD-Bezirks Hannover nachfolgen. Den führt er heute noch.

Erst nach Schröders drittem Wahlerfolg in Niedersachsen wurde Jüttner im März 1998 als Umweltminister in dessen Landeskabinett berufen. Unter den SPD-Ministerpräsidenten Gerhard Glogowski und Sigmar Gabriel blieb er bis März 2003 Umweltminister. 1999 scheiterte ein erster Versuch, selbst Ministerpräsident zu werden. Der SPD-Landesvorstand schlug seinerzeit nach einer Kampfabstimmung Gabriel statt Jüttner zum Nachfolger des über eine Affäre gestürzten Glogowski vor.

Eher ein Parteilinker

Nach Gabriels Wahlniederlage im Jahr 2003 und dem Amtsantritt des Ministerpräsidenten Christian Wulff erarbeitete sich Jüttner dann beharrlich eine zweite Chance. Zunächst wurde er für zwei Jahre zum SPD-Landesvorsitzenden gewählt und übernahm dann 2005 schon mit Aussicht auf die Spitzenkandidatur die Führung der SPD-Landtagsfraktion. Jüttner fühlt sich weit mehr als sein langjähriger Weggefährte Schröder der SPD-Tradition und alten Idealen verpflichtet.

Mehr im Internet:
Er gilt eher als ein Parteilinker. Dem entspricht ein Wahlkampf, der ganz auf das Thema soziale Gerechtigkeit ausgerichtet ist. Das soll durch die Agenda-Politik verlorene SPD-Stammwähler zurückholen oder deren Abwandern zur Linkspartei verhindern. Die niedersächsische SPD stilisiert den sachlich-ruhigen Jüttner zudem zur seriösen Alternative zu dem angeblich wetterwendischen, inhaltlich nicht festzulegenden «Wackel-Wulff».

Auch familiär geht es bei Jüttner geordnet zu. Seit 35-Jahren ist er mit Ehefrau Marion verheiratet. Auf wenig Gegenliebe stieß Jüttner allerdings, als er zusammen mit seiner Frau die Familienverhältnisse Wulffs zum Thema machte. Das wollte zum seriösen Habitus des SPD-Spitzenkandidaten nicht passen und stieß selbst bei Parteichef Beck auf Kritik. (Jürgen Voges, AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Autoexperte Dudenhöffer: 
«Der Kfz-Steuererlass bewirkt nichts»
CDU-Minister zu Ypsilanti: 
«Häme hat schon immer geschadet»
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.