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Wer in Niedersachsen um die Macht kämpfte

Der Ziehsohn des einstigen Ministerpräsidenten Schröder, Jüttner, versuchte Ministerpräsident Wulff aus dem Amt zu drängen. Doch der ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Christian Wulff löste 2003 - nach zwei bitteren Niederlagen gegen den späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) - den heutigen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) als Ministerpräsidenten Niedersachsens ab. Bundesweit war der heute 48-jährige Jurist aus Osnabrück als «junger Wilder» in der CDU bekannt geworden, als er 1997 den Rücktritt von Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) forderte.

Hintergrund: Wahlrecht
Die Niedersachsen wählen schon zum dritten Mal für eine Legislaturperiode von fünf Jahren. 6,1 Millionen Wahlberechtigte können sich zwischen 14 Parteien entscheiden. Der Landtag besteht aus mindestens 135 Abgeordneten. Davon werden 87 Abgeordnete in den Wahlkreisen gewählt und 48 nach Landeswahlvorschlägen. Ergibt die Berechnung, dass eine Partei in den Wahlkreisen mehr Direktsitze gewonnen hat als ihr nach dem Zweitstimmenanteil zustehen, bleiben ihr diese als sogenannte Mehrsitze oder Überhangmandate erhalten. Damit die Stärke der Parteien im Landtag dem Verhältnis der gültigen Zweitstimmen entspricht, werden Ausgleichsmandate vergeben. 2003 waren es 28 Überhang- und Ausgleichsmandate. Der neu gewählte Landtag muss laut Verfassung spätestens am 26. Februar 2008 zusammentreten.
Zu Bundeskanzlerin Angela Merkel verhält sich der CDU- Bundesvize loyal. Kernpunkt seiner Landespolitik ist die Sanierung des maroden Haushalts. Im Wahlkampf pflegte er einen eher präsidialen Stil. Im Juni 2006 hatte Wulff nach langer Ehe die Trennung von seiner Frau bekanntgegeben. Mit seiner neuen Lebensgefährtin erwartet er ein Kind.

Wolfgang Jüttner war SPD-Spitzenkandidat und gilt als verlässlich, geradlinig und durchsetzungsstark. Parteifreunde schätzen auch sein «ausgleichendes Wesen» und sein «analytisches Denkvermögen». Einige sagen dem 59 Jahre alten Soziologen aus Hannover jedoch nach, ihm fehle der absolute Wille zur Macht. Für Aufsehen sorgte der seit 35 Jahren verheiratete Jüttner mit einem Interview, in dem er Wulffs Privatleben kritisierte.

In die SPD trat er 1970 ein. Dem niedersächsischen Landtag gehört er seit 1986 an. Gerhard Schröder machte ihn 1998 zum Umweltminister. Nach dem Rücktritt von Schröders Nachfolger Gerhard Glogowski war Jüttner im parteiinternen Rennen um das Amt des Spitzenkandidaten Sigmar Gabriel unterlegen. (Fortsetzung unter der Grafik)

(Ergebnisse sind erst im Laufe des Wahlabends verfügbar)

Philipp Rösler, der 34-jährige Spitzenmann der FDP, wurde in Vietnam geboren und von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Er trat 1991 in die Partei ein, war Landes-Generalsekretär und wurde 2003 - mit 29 Jahren - Landtagsfraktionschef. 2006 rückte er auch an die Spitze der Partei. Ein Angebot des Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle, Generalsekretär der Bundespartei zu werden, lehnte der Augenarzt und gläubige Katholik ab.

Ursula Helmhold zog 2003 für die Grünen in den Landtag in Hannover ein. Zuvor war die gelernte Krankenschwester und studierte Lehrerin lange in der Kommunalpolitik aktiv. Als Spitzenkandidatin will die 51-Jährige Mutter zweier erwachsener Kinder die CDU/FDP-Koalition vor allem auf den Feldern soziale Gerechtigkeit, Ausländerpolitik, Bildung und Klimaschutz stellen. Ein zweistelliges Wahlergebnis hält sie angesichts der Klimaschutz-Debatte für realistisch.

Kreszentia Flauger wollte als Spitzenkandidatin der Linken versuchen, den Erfolg von Bremen in Niedersachsen zu wiederholen. Mit 8,4 Prozent war ihre Partei in die Bürgerschaft des Stadtstaates und damit erstmals in ein westdeutsches Landesparlament gelangt. «Je stärker wir werden, desto sozialer wird die SPD», lautet das Motto der 41-Jährigen. Ein Bundestagsmandat hatte die Computer-Spezialistin 2005 nur knapp verpasst. (dpa)

 
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