Zugleich stellte Seehofer klar, dass das Fleisch geklonter Tiere nach seinem Willen nicht in den Nahrungsmittelhandel kommen solle. Seehofer habe «unter ethischen Gesichtspunkten äußerst große Vorbehalte, geklonte Tiere als Lebensmittel in die Lebensmittelkette zu bringen». Auch der Bauernverband sprach sich dagegen aus. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte am Mittwoch in Europa mit der Einschätzung große Aufregung ausgelöst, Fleisch von geklonten Tieren sei für den Verzehr unbedenklich. Diese Frage dürfe nicht nur unter naturwissenschaftlichen oder gesundheitlichen Gesichtspunkten diskutiert werden, warnte Seehofer. Er habe unter ethischen Gesichtspunkten eine «sehr große Skepsis bis hin zur Ablehnung», betonte der CSU-Politiker. Dies sei «ein typisches Beispiel dafür, dass die Gesellschaft nicht alles, was technisch möglich ist, auch praktisch machen darf und kann». Wenn es um die Reproduzierung von Menschen ginge, wäre die Debatte in Minuten beendet. Tiere seien auch Geschöpfe, mahnte der Minister.Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) erklärte, es sei nicht zu akzeptieren, wenn jetzt Fleisch von geklonten Tieren aus den USA in den europäischen Lebensmittelhandel kommen dürfe: Noch sei unklar, welche Folgen das Klonen als Züchtungsform für Landwirtschaft und Tierzucht habe. Für die Tierzucht in der europäischen Landwirtschaft sei die große genetische Vielfalt charakteristisch, betonte ein Sprecher des Verbands. Sie werde durch Klonen eingeschränkt. Auch bestünden erhebliche ethische Bedenken. Man könne nicht einseitig nach gesundheitlichen Gesichtspunkten urteilen. Der DBV fordert umfassende wissenschaftliche Untersuchungen und eine eingehende Diskussion unter den Verbrauchern sowie in der Landwirtschaft über die Vor- und Nachteile des Klonens von Tieren.
Während Seehofers Eröffnungsrundgang durch die Halle des Landwirtschaftsministeriums seilten sich Aktivisten der Organisation Greenpeace ab und hissten Flaggen mit der Aufschrift «Seehofers Gensaat überall». Auf den Minister und die Besucher ließen sie Tausende kleiner Zettel mit dem Bild eines Gen-Maiskolbens regnen.
Bereits am Mittwoch hatten Aktivisten der Organisation Peta vor dem Landwirtschaftsministerium mit einer spektakulären Aktion für Aufsehen gesorgt: Dabei hatte sich die Schauspielerin Katie Pfleghar nackt in einen überdimensionalen Hühnerkäfig sperren lassen. (AP)