10. Jan 2008 08:21
In einem offenen Brief an die Kanzlerin werfen Zuwanderer dem hessischen Ministerpräsidenten Koch vor, die Gesellschaft zu spalten. Forderungen nach schnellerer Ausweisung krimineller Jugendlicher weisen sie zurück.
Der Brief an Merkel und Koch stammt nach Angaben der «Frankfurter Rundschau» vom Migranten-Forum des Paritätischen Wohlfahrtverbands, der die Interessen von rund 100 Zuwanderer-Organisationen vertritt. Darin heißt es nach Angaben des Blattes: «Wo offene, konstruktive Gespräche und an der Sachlage orientierte Lösungsvorschläge nötig wären, richten Sie durch Wahlpolemik erheblichen Schaden an.» Ein kurzfristiger Erfolg in einem Landtagswahlkampf dürfe es nicht wert sein, dass Vorurteile «neu geschürt» würden. Dadurch werde die Gesellschaft weiter gespalten. Der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Forums der CDU, Bülent Arslan, wies unter anderem Kochs Forderung nach schnellerer Ausweisung krimineller Jugendlicher zurück. «Das sind Produkte unserer Gesellschaft», sagte er der «Berliner Zeitung». Die CDU müsse Migranten stärker einbinden - dazu eigne sich Kochs Strategie nicht.
Koch verteidigte seine Strategie. In der hannoverschen «Neuen Presse» drohte er: «Der Bundestagswahlkampf 2009 ist weit weg. Dennoch: Wenn die SPD sich weiter verweigert, werden wir das Thema Jugendgewalt leider auch in Zukunft offensiv ansprechen müssen.»Er widersprach auch der Befürchtung des Zentralrats der Juden, dass die Debatte den Rechtsextremisten nützen könnte. Die NPD hatte Koch schon demonstrativen Beifall gezollt. Trittbrettfahrer könne er nicht verhindern, sagte Koch der «Passauer Neuen Presse». Der «Schwäbischen Zeitung» sagte er, wenn man das Thema «im demokratischen Spektrum anspricht, gräbt man den Radikalen das Wasser ab». Hessen tue auch viel gegen rechte Gewalt. «Für unser Bundesland kann ich sagen, dass wir dieses Problem im Griff haben.»