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Etikettenschwindel bei Ökostrom kritisiert

06. Jan 2008 13:06
Nicht überall, wo Ökostrom drauf steht, ist auch Ökostrom drin
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Verbraucherschützer haben sich gegen den Einkauf von Naturstromzertifikaten gewandt. Dies sei «Betrug am Verbraucher». Ganze Städte würden komplett mit Ökostrom versorgt werden – allerdings nur «auf dem Papier».

Die Verbraucherzentralen und die Umweltorganisation Greenpeace haben einigen Stromversorgern Etikettenschwindel mit Ökostrom vorgeworfen. Die Praxis, Atom- oder Kohlestrom durch den Handel mit Umweltzertifikaten auf dem deutschen Mark als Ökoenergie zu verkaufen, sei «Betrug am Verbraucher», sagte Robert Werner von Greenpeace Energy. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» ermöglicht das sogenannte Renewable Energy Certificate System (RECS) einem Stromversorger, beispielsweise an der Börse für 7 Cent je Kilowatt aus dem AKW Krümmel einzukaufen und diesen für 0,05 Cent mit einem Zertifikat eines norwegischen Wasserkraftwerks zu veredeln.

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Dessen Betreiber muss die entsprechende Menge seines Ökostroms in konventionellen umetikettieren. Der deutsche Versorger darf dann seinen Graustrom als Ökostrom vermarkten. Thorsten Kasper vom Bundesverband der Verbraucherzentralen bezeichnete das dem «Spiegel» zufolge als «reinen Verschiebebahnhof». Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes sprach von einer Täuschung des Verbrauchers: Dieser meine, für sein Geld würden neue Windräder oder Solaranlagen installiert. «Tatsächlich landet sein Geld größtenteils beim Atom- oder Kohlekraftwerksbetreiber. Womöglich wird mit dem grünen Label auch noch die nächste Preiserhöhung kaschiert.»

Nicht das Recht, ihren Strom als Ökostrom zu bezeichnen

Ähnlich äußerte sich Werner von Greenpeace Energy. Das Geld des Kunden lande nicht bei sauberen Kraftwerken. Im Grunde gehe es bei der RECS-Problematik um die Frage, was glaubwürdiger Ökostrom sei. Sein Unternehmen lehne dieses System ab. Thorben Becker vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) äußerte sich zurückhaltender. Zwar sehe er nicht, wo der Sinn einer solchen Praxis liege. Besser seien direkte Lieferverträge von Anbietern mit den Produzenten erneuerbarer Energien, sagte er der AP. Doch wäre das System im Grunde in Ordnung, wenn es denn wirklich funktioniere. Einige Produzenten etwa von Strom aus Wasserkraft in Norwegen oder Frankreich hielten sich aber nicht an die Vorgabe, ihren Kunden nach dem Verkauf eines Zertifikats auch darüber zu informieren, dass sie nicht mehr das Recht hätten, ihren Strom als Ökostrom zu bezeichnen.

Kasper kritisierte laut «Spiegel», das RECS mache Angebote erst möglich, bei denen angeblich auf einen Schlag ganze Städte komplett mit Ökostrom versorgt werden - «auf dem Papier, ohne dass auch nur eine zusätzliche Kilowattstunde davon erzeugt wird». Das Nachrichtenmagazin nannte als Beispiel die Stadtwerke Kassel. Diese werben damit, dass seit November alle Kasseler Haushalte sauberen Naturstrom erhalten. «Als erste Großstadt in ganz Deutschland ist Kassel jetzt Vorreiter für umweltgerechte Stromerzeugung», heißt es auf deren Homepage. «Etliche Versorger ziehen derzeit nach», schrieb das Nachrichtenmagazin. Mitglieder des RECS sind nach Angaben auf dessen Homepage unter anderem Tochterfirmen der großen Energiekonzerne RWE, E.ON und Vattenfall. (AP)

 
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