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Erziehungsheime – Alternative zum Knast

07. Jan 2008 12:58, ergänzt 08. Jan 2008 14:09
Ärger mit der Polizei - Randalierer
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In mehreren Bundesländern gibt es sie schon, die Erziehungseinrichtungen für straffällig gewordene Jugendliche. Sie sind die erste Stufe vor Jugendarrest und Jugendstrafe. Einige populäre Beispiele:

Baden-Württemberg:

Im Rahmen des «Projekts Chance» ermöglicht die baden-württembergische Landesregierung seit rund fünf Jahren jungen Gefängnisinsassen den «Jugendstrafvollzug in freien Formen». Im Leonberger Seehaus und im Kloster Frauental in Creglingen (Main-Tauber-Kreis) sollen junge Mehrfach- und Intensivtäter im Alter zwischen 14 und 21 Jahren auf eine Rückkehr in ein Leben ohne Kriminalität vorbereitet werden. Ein 16-Stunden-Tag erwartet die Jugendlichen im Seehaus. Er beginnt um 5:45 Uhr mit Frühsport. Anschließend müssen sie aufräumen und putzen. Es folgen Unterricht, Arbeit und soziales Training. Gegen 22 Uhr gehen in dem Wohnhaus die Lichter aus.

Hintergrund:

Hessen:

Das Trainingscamp in Diemelstadt ist eine Jugendhilfeeinrichtung für 14 bis 18 Jahre alte Straftäter. Hierher müssen sie, wenn nichts anderes half und als nächste Station nur noch das Jugendgefängnis wartet. Der Ex-Boxer Lothar Kannenberg setzt als Campleiter vor allem auf die Einhaltung eines geregelten Tagesablaufs, auf viel Sport, um Aggression in Konstruktivität zu wandeln. Die Jugendlichen und Heranwachsenden sollen hier ihre aufgestauten Emotionen ausleben sowie klare Strukturen und Regeln lernen. Das Erziehungscamp hat 20 Plätze. Es gilt als letzte Chance für kriminelle und problematische Jugendliche und junge Erwachsene, mit denen auch die Erzieher in Jugendheimen nicht mehr zurecht kommen. 80 Prozent der Jugendlichen, die aus ganz Deutschland kommen, schließen das sechsmonatige Training auch ab.

Brandenburg:

Im uckermärkischen Frostenwalde werden straffällige Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren rund um die Uhr betreut. Das offene Heim in der Uckermark bietet 32 Plätze. Für Berliner Jugendliche sind acht Plätze reserviert. Die Delinquenten, die gruppenweise in verschiedenen Häusern auf dem mehr als sieben Hektar großen Gelände wohnen, weist ein Richter per Beschluss ein. Von 18 der bislang 693 betreuten Jugendlichen trennte sich die Heimleitung wieder, weil sie die Mitarbeit verweigerten. Sie kamen in Untersuchungshaft. In mehr als zehn Jahren rissen nur sechs Bewohner aus.

Nordrhein-Westfalen:

Das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland wird bereits noch im Winter das erste Erziehungscamp für straffällig gewordene Jugendliche in Bedburg-Hau im Kreis Kleve einrichten. Dort soll mit acht Kindern im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren begonnen werden, wie die zuständigen Ministerien planen. Erst in einer zweiten Ausbaustufe sollen auch ältere Straftäter hinzukommen.

Auch an anderen Orten in Nordrhein-Westfalen sind solche Camps vorgesehen, heißt es in dem Papier weiter. Einrichtungen nach US-amerikanischem Vorbild, in denen Jugendliche zum Teil gedemütigt werden, lehnt NRW jedoch ab. (nz)

 
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