Unterstützung erhielt Zypries vom renommierten Kriminologen Christian Pfeiffer. In der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse» nannte er Erziehungscamps und härtere Strafen «teure Illusionen mit hohen Rückfallquoten». Stattdessen mahnte Pfeiffer Versäumnisse im Bildungssektor an. «Wir sind leider Europameister im der Vernachlässigung der Bildungschancen von Migranten.» Mehr als jeder Fünfte der jungen männlichen Ausländer würde die Schule ohne Abschluss und Zukunftschancen verlassen; diese Gruppe sei daher mehr als doppelt so oft wie ihre deutschen Altersgenossen gewalttätig. «Wir sollten nicht in neue Gefängnisse investieren, sondern in bessere Schulen», betonte Pfeiffer in der Zeitung.Für Erziehungscamps sprach sich der innenpolitische Sprecher der Union, Hans-Peter Uhl, aus. «Wenn wir ausländische Serientäter nicht abschieben können, müssen wir ihre kriminellen Karrieren unterbrechen - noch bevor ein Mord begangen wird. Eine geschlossene Erziehungsanstalt ist dafür die einzige Lösung», sagte der CSU- Politiker der «Bild»-Zeitung. Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, forderte in der Zeitung ein konsequenteres Durchgreifen gegen jugendliche Straftäter: «Die Richter müssen den vorhandenen Strafrahmen ausschöpfen, konsequenter urteilen, am besten nach Erwachsenenstrafrecht.»
Ausgelöst hatte die Debatte ein brutaler Überfall in der Münchener U-Bahn. Zwei junge Männer - ein Türke und ein Grieche - schlugen einen 76-jährigen Rentner brutal zusammen, nach dem dieser sie aufgefordert hatte, in der U-Bahn nicht zu rauchen. (nz/dpa)