netzeitung.deAleviten wollen gegen NDR-Tatort demonstrieren

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Der Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland Ali Ertan Toprak (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland Ali Ertan Toprak
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In dem Sonntagabend-Krimi ging es um Inzest in einer türkisch-alevitischen Familie. Die deutschen Aleviten sind aufgebracht und fühlen sich vom NDR beleidigt. Sie haben für Berlin, Köln und Hamburg Demonstrationen angekündigt.

Die Ausstrahlung des NDR-«Tatort» vom Sonntagabend ist nun auch Thema im Ausland. In der Türkei befassten sich am Montag und Dienstag mehrere Medien mit dem Film «Wem Ehre gebührt» und warfen dem Norddeutschen Rundfunk unter anderem vor, die Aleviten beleidigt zu haben.

Der Dachverband der Aleviten, die Alevitische Gemeinde Deutschland mit Sitz in Köln, bekräftigte am Dienstag seine Kritik und kündigte für Sonnabend den 29.Dezember eine Protestdemonstration in Köln sowie Mahnwachen vor dem NDR in Hamburg an. In Berlin wurde für Donnerstag, den 27.Dezember, eine Demonstration mit 2.000 Teilnehmern angemeldet. Zu diesen Schritten habe man sich auf einer extra einberufenen Sitzung am Heiligabend entschlossen, sagte der Generalsekretär der Organisation, Ali Ertan Toprak, der Netzeitung.

In dem Tatort von Sonntagabend ging es um eine türkisch-alevitische Familie, deren Familienvater seine älteste Tochter ermordet und seine jüngere Tochter sexuell missbraucht hatte. Die Aleviten empöre besonders, dass die Story so ausdrücklich mit ihrer Religionsgemeinschaft in Verbindung gebracht wurden. «Warum eigentlich musste die Familie ausgerechnet alevitisch sein? Das war doch dramaturgisch gar nicht nötig», meinte Toprak. «Es hätte auch einfach eine moderne, türkische Familie sein können, bei der die Frauen keine Kopftücher tragen.»

Noch dazu seien die Aleviten entsetzt, dass die ARD diesen Krimi ausgerechnet am letzten Wochenende zeigte, als Aleviten weltweit des Pogroms von Maras vor 29 Jahren gedachten. In der südostanatolischen Stadt hatten orthodox-sunnitische und nationalistische Türken am 21. Dezember 1978 ein alevitisches Wohnviertel angegriffen, dabei mehr als 30 Personen getötet und mehr als 150 verletzt, darunter viele Frauen und Kinder.

«Genau der Vorwurf des Inzests wurde und wird bis heute als Rechtfertigung für solche Übergriffe wie in Maras benutzt», sagte Toprak. «Jeder Türke, jeder Muslim kennt dieses Standard-Vorurteil! Unsere Kinder zum Beispiel werden in den Schulen immer wieder von anderen sunnitischen türkischen Kindern genau damit beleidigt!» Aus diesem Grund frage er sich auch, ob sich Drehbuchautorin und Regisseurin Angelina Macarrone bei ihrer Recherche über den alevitischen Glauben von fanatisch sunnitischen Beratern habe instrumentalisieren lassen.

Strafantrag gestellt
Die Aleviten hatten im Vorfeld versucht, die Ausstrahlung des Filmes zu verhindern. Der NDR berief sich jedoch auf die Pressefreiheit und wies in einer kurzen Einblendung darauf hin, dass die Geschichte rein fiktiv sei. Der Berliner Verein Anatolischer Aleviten stellte daraufhin im Auftrag der der Alevitischen Gemeinde Deutschland Strafantrag.

Toprak machte erneut deutlich, dass die Aleviten nun eine Reaktion des NDR erwarten. «Wir verlangen eine offizielle Entschuldigung des NDR und wollen, dass unsere Religion in einer Sendung zur Primetime richtig und angemessen dargestellt wird.»


Für das Web ediert von Antje Kraschinski