Hakenkreuz möglicherweise selbst geritzt
18.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der Fall hatte im November bundesweit für Entsetzen gesorgt: Die 17-Jährige hatte sich nach eigener Aussage schützend vor ein sechs Jahre altes Spätaussiedlermädchen gestellt, das von vier Neonazis bedroht wurde. Daraufhin hätten die vier Männer die junge Frau zu Boden geworfen, und ihr ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt und ihr Runen ins Gesicht schneiden wollen.
Der Fall war von Beginn an mysteriös. Die junge Frau hatte erst neun Tage nach dem angeblichen Überfall die Tat bei der Polizei angezeigt. Die Ermittler gingen ihrerseits erst Ende November mit einem Fahndungsaufruf an die Öffentlichkeit. Laut damaliger Mitteilung schlossen Rechtsmediziner aus, dass sich die 17-Jährige die Verletzungen selbst zugefügt haben soll.
Auch Mittweidas Bürgermeister Matthias Damm hatte nach einem Treffen mit der Jugendlichen keine Zweifel an ihrer Version. Der CDU-Politiker versuchte, bei der Aufklärung zu helfen, und schickte mehr als 100 Briefe an Anwohner, die das Geschehen beobachtet haben könnten. Denn die junge Frau hatte angegeben, dass mehrere Menschen von ihren Balkonen aus den Übergriff beobachtet hätten, ohne Hilfe zu leisten. Bislang meldeten sich aber trotz einer Belohnung von 5000 Euro keine Zeugen. Auch dies sei ein Grund anzunehmen, dass die Tat vorgetäuscht wurde: Wer nichts gesehen habe, könne auch trotz Belohnung keine Angaben machen, sagte der Sprecher.
Trotz intensiver Ermittlungen hätten bis heute keine Tatzeugen gefunden werden können. Ein Haftbefehl gegen einen 19-jährigen Tatverdächtigen wurde vom Amtsgericht Chemnitz abgelehnt. Ein dringender Tatverdacht habe nicht vorgelegen. Auch das von der Frau genannte Kind habe bislang nicht ermittelt werden können, sagte der Sprecher. (AP/dpa)

