Gasversorger wollen kräftig zulangen
16. Dez 2007 13:33
 |  Kochen und Heizen mit Gas kostet in Zukunft mehr
| Foto: dpa |
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Nachdem 2007 die Preise im Bundesdurchschnitt sanken, wird ein Drittel der Anbieter nun mehr verlangen. Die Politik verweist auf die Abhängigkeit Deutschlands von den internationalen Märkten.
Viele Gaskunden in Deutschland müssen sich auf höhere Preise ab Jahresbeginn einstellen. Mindestens ein Drittel der bundesweit etwa 750 Versorgungsunternehmen wird ihre Tarife um durchschnittlich mehr als fünf Prozent erhöhen, wie die Wirtschaftszeitung «Euro am Sonntag» und das Verbraucherportal Verivox in Erfahrung brachten.
Nach einem Rückgang der Tarife im vergangenen Jahr um 3,4 Prozent sei nun eine Trendwende eingeleitet, hieß es bei Verivox am Sonntag. «Verbraucher müssen sich 2008 auf steigende Gaspreise einstellen.» Die Umweltökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) verwies auf die Koppelung der Gas- an die Ölpreise. «Ich rechne mit 20 Prozent mehr bis April, da die Teuerung beim Öl ein halbes Jahr später auch beim Gas ankommt», sagte Kemfert «Euro am Sonntag». Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Daten des Vergleichsportals Wechseln.de und des Leipziger Energiemarkt-Datenlieferanten GET, bundesweit wollten rund 40 Prozent der Gasversorger ihre Tarife zum Jahresbeginn zwischen 5 und mehr als 20 Prozent anheben. Bei Kunden, die im Schnitt 20.000 Kilowattstunden verbrauchten, hätten insgesamt 303 Versorger ihren Preis erhöht. 439 behielten ihn bei, sechs Anbieter wollen weniger verlangen.
Effektiv gesunken
Verivox.de teilte mit, knapp 250 lokale Gasversorger würden ihre Preise erhöhen, und zwar um durchschnittlich 5,8 Prozent oder - bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden - um 74 Euro. Wegen der Ölpreisbindung sei zumindest mittelfristig wieder mit steigenden Gaspreisen zu rechnen, nachdem die Tarife im bundesweiten Durchschnitt 2007 um 3,4 Prozent gesunken seien. «Berücksichtigt man alle Preisänderungen der vergangenen zwölf Monate, haben 560 Versorger ihre Gaspreise effektiv gesenkt. 126 Versorger erhöhten die Preise und 52 Versorger haben keine Veränderung vorgenommen», resümiert das Verbraucherportal. Die Heidelberger Experten rieten zu einem Preisvergleich. «Bei immerhin 146 lokalen Anbietern gibt es ein Einsparpotenzial zwischen 100 und 500 Euro», sagte Verivox-Chefredakteur Thomas Stollberger.
Wettbewerb schaffen
Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte Verständnis für die Sorgen vieler Menschen über die rasant steigenden Energiekosten. «Allerdings sind die Energiepreise politisch für ein Land wie Deutschland nur wenig zu beeinflussen, weil sie vor allem mit einer weltweit drastisch steigenden Nachfrage nach Öl und Gas durch große Länder wie China und Indien zu tun haben», sagte die CDU-Politikern der «Super Illu». Keinen Spielraum sieht sie für eine Abschaffung oder Reduzierung der Ökosteuer, um Verbraucher zu entlasten. «Angesichts der massiven Verschuldung, die wir von der Vorgängerregierung geerbt haben, können wir es uns derzeit nicht leisten, auf diese Steuereinnahmen zu verzichten.»
Die Politik könne jedoch in Deutschland mehr Wettbewerb unter den Energieversorgern schaffen. «Deshalb haben wir gerade auch eine Kartellrechts-Novelle mit einer besseren Durchgriffsmöglichkeit gegen Preisabsprachen auf den Weg gebracht», so Merkel. Darüber hinaus setze die Bundesregierung Anreize unter anderem durch zinsverbilligte Kredite und gezielte Zuschüsse, damit die Menschen ihre Häuser isolieren, ihre Heizungen modernisieren und auch stärker auf erneuerbare Energien setzen können. Das nutze der Umwelt und mache die Bürger auch unabhängiger von steigenden Öl- und Gaspreisen. (AP/dpa)