netzeitung.de«Deutschlands beste Schule» steht in Hildesheim

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Einmalige Unterrichsformen an einer Gesamtschule (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Einmalige Unterrichsformen an einer Gesamtschule
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Noch vor Jahren war ihr Ruf miserabel. Nun wurde eine Hildesheimer Gesamtschule als «Deutschlands beste Schule» ausgezeichnet, weil sie anderen Schulen «in ihrer Entwicklung zehn Jahre voraus» sei.

So sieht sie also aus, «Deutschlands beste Schule» des Jahres: Ein Betonbau aus den 1970er Jahren, inmitten eines Wohngebiets im Norden des niedersächsischen Hildesheim. An der Fassade prangt eine bunte Collage zum Thema UNESCO, gestaltet von Schülern der 8. Stufe. Noch vor wenigen Jahren galt die Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG) als Schule für Schwache, der Ruf war miserabel. Heute ist das Prestige enorm, Schulleiter Wilfried Kretschmer muss jedes Jahr Dutzende Schüler ablehnen.

Am Montag hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Ganztagsschule mit dem Deutschen Schulpreis 2007 ausgezeichnet. Gestiftet wird der mit 50.000 Euro dotierte Preis von der Heidehof Stiftung sowie der Robert Bosch Stiftung. Aber nicht die Namensgleichheit mit der Stiftung hat die RBG auf den ersten Platz gehievt. Ausschlaggebend war letztendlich die hervorragende Entwicklung der Schule.

Zudem begutachtete die elfköpfige Jury die Kandidaten nach den Kriterien Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung und Schulleben. «Anderen Schulen ist sie in ihrer Entwicklung zehn Jahre voraus», sagt Jurysprecher Prof. Peter Fauser, Erziehungswissenschaftler an der Universität Jena, über die RBG. Die Lehrer besuchen sich gegenseitig freiwillig im Unterricht. «Diese Unterrichtsform ist einmalig in Deutschland», sagt Schulleiter Kretschmer.

Zeitmanagement als Unterrichtsstoff
Außerdem werden für jeden Jahrgang im Sommer Jahresarbeitspläne aufgestellt. Dort ist nicht nur der Unterrichtsstoff für die nächsten beiden Halbjahre nachzulesen. «Auch Methodentage sind Bestandteil des Unterrichts», erklärt Kretschmer. Dabei lernen die Fünftklässler etwa die Benutzung von Lexika kennen, die Schüler der 10. Stufe üben Zeitmanagement.

Ein eigenes Integrationskonzept gibt es dagegen nicht. «Das Problem tritt nicht auf», sagt der Schulleiter. Und wenn es doch einmal Schwierigkeiten geben sollte, sorgen die Schüler oft selbst für Ordnung. «Es gibt außer den Vertrauenslehrern auch eigens geschulte «Buddies» - Oberstufenschüler, die sich um die Jüngeren kümmern», erzählt die 19 Jahre alte Hannah Klüver. Alle vier bis sechs Wochen trifft sich zudem ein Schüler-Lehrer-Gremium, das offene Fragen zwischen Kollegium und Oberstufe klären soll.

Der Rahmen stimmt also an der RBG, auch die Lernbedingungen für die 1350 Schüler und 106 Lehrer sind nahezu perfekt: die Schule bietet eine reichlich ausgestattete Bibliothek, eine große Mensa und jede Menge Instrumente. Die Schüler der 8. Klasse nehmen jedes Jahr an einer Sommerschule auf der dänischen Insel Årø teil.

Zweiter Platz geht an vier Schulen
Gegen neun weitere Kandidaten setzte sich die RBG im Wettbewerb durch. Darunter waren noch zwei weitere Schulen aus Niedersachsen, je zwei Lernanstalten aus Baden-Württemberg und Brandenburg sowie Schulen aus Berlin, Hessen und Schleswig-Holstein. Den zweiten Platz teilten sich vier Schulen; die Preise in Höhe von je 10.000 Euro gingen an die Montessori-Oberschule Potsdam, die Carl-von-Linné-Schule Berlin, die Helene-Lange-Schule Wiesbaden und das Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach.

Wofür er das Preisgeld einsetzen wird, weiß RBG-Schulleiter Wilfried Kretschmer allerdings noch nicht. Die Schüler hätten da schon ein paar Ideen. «Für die Behindertenarbeit», schlägt die 13-jährige Nagihan Kurt vor. «Oder für den Schüler-Rundfunk», sagt Hannah Klüver.

Mit dem Sieg beim Deutschen Schulpreis ist die Unterrichtsentwicklung an der RBG noch nicht abgeschlossen. «Das ist ein dynamischer Prozess», sagt Kretschmer. Derzeit arbeiten Kollegium und Schüler bereits am neuesten Projekt: Mit dem «sozialen Lehrplan» will Kretschmer unter anderem die Frage klären, «was unbewusst läuft». (Benedikt von Imhoff, dpa)