CDU lockert Umgang mit Stammzellen
04. Dez 2007 10:57
 |  Die CDU will den Umgang mit embryonalen Stammzellen lockern | Foto: M. William Lensch, Harvard Medical School |
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Der CDU-Parteitag hat dafür gestimmt, die Regelung mit embryonalen Stammzellen zu lockern. Forschungsministerin Schavan warb zuvor dafür, eine Verschiebung des Stichtags für den Import solcher Zellen zu ermöglichen.
Die CDU will den Umgang mit embryonalen Stammzellen lockern. Der Parteitag hat sich am späten Montagabend in Hannover in einer schriftlichen Abstimmung mit knapper Mehrheit dafür ausgesprochen, die Verschiebung des Stichtags für den Import solcher Zellen zu ermöglichen. Damit wäre die Forschung an neueren Stammzelllinien auch in der Bundesrepublik möglich. Bisher dürfen deutsche Forscher nur solche Stammzelllinien importieren und verwenden, die vor dem Stichtag am 1. Januar 2002 entstanden sind.
323 Delegierte votierten in Hannover für die Verschiebung des Stichtags, 301 dagegen, zehn enthielten sich der Stimme. Im Bundestag soll nächstes Jahr über eine Verschiebung näher an die Gegenwart heran entschieden werden. Die Unionsfraktion wollte vor einer Debatte im Parlament das Votum des CDU-Parteitags abwarten.
Schavan: Verschiebung ist «ethisch vertretbar»
Bundesforschungsministerin Annette Schavan warb eindringlich für eine Verschiebung des Stichtags. Sie sei ethisch «verantwortbar». Sie könne ihre Überzeugungen als katholische Theologin und ihre Verantwortung als Forschungsministerin mit einem solchen Beschluss vereinbaren, sagte sie. Auch wenn der Stichtag verschoben werde, werde die Substanz des Stammzellgesetzes erhalten. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel unterstützte die Position von Schavan. Sie habe sich «nach langer Überlegung» der Argumentation der Forschungsministerin angeschlossen, sagte Merkel.
Schavan betonte, 97 Prozent der Förderung gehe in Deutschland in die adulte Stammzellforschung. Ziel müsse sein, die embryonale Stammzellforschung überflüssig zu machen. Sie sei aber als Vergleichsforschung noch erforderlich. Ohne die Forschung an embryonalen Zellen wären die jüngsten Erfolge bei der Reprogrammierung adulter Zellen nicht möglich gewesen.
Forschern gelingt Umbau von Haut- zu Stammzellen
Amerikanischen und japanischen Forschern war es vor kurzem gelungen, Haut- und Bindegewebszellen so umzubauen, dass sie die Fähigkeit embryonaler Zellen besitzen, sich zu allen Zellformen weiterzuentwickeln. Davon erhofft man sich die Heilung und Nachzucht für erkrankte Gewebe, etwa bei Krebs.Die Vorsitzende der Frauen Union, Maria Böhmer, lehnte eine Verschiebung des Stichtags ab: «Dann ist der Stichtag kein Stichtag mehr.» Der 2002 gefasste Beschluss, an dessen Erarbeitung Böhmer maßgeblich beteiligt war, sei als einmaliger Beschluss zu verstehen. Die stellvertretende rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner warnte, es würden weitere Verschiebungen folgen wie eine «ethische Wanderdüne». Die Orientierung am christlichen Menschenbild und am Lebensschutz müsse auch in der konkreten Politik der CDU erkennbar sein.
(epd)