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Der ewige Streit um PISA

29. Nov 2007 19:36
Herkunft entscheidet
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Deutsche Schüler stehen bei den jüngsten Vergleichstests - egal ob in der Grundschulstudie IGLU oder im Schulleistungstest PISA - besser da als vorher. Das ist unbestritten, aber noch lange kein Grund, nicht zu streiten.

Eine Verbesserung in einer internationalen Rangliste von Platz 18 auf Rang 13 ist kein Grund zur Freude, wenn, wie in der IGLU-Studie attestiert, in diesem Land wie in kaum einem anderen die Herkunft eines Kindes über dessen Bildungschancen entscheidet.

Ein intelligenter Viertklässler aus einer «bildungsfernen» Familie, dem wegen der etablierten Empfehlungspraxis in der dreigeteilten Schule der Weg aufs Gymnasium versperrt bleibt, ist mit den Worten unseres Bundespräsidenten «verschwendetes Humanvermögen». Köhler klagt deswegen folgerichtig das deutsche Bildungssystem der «unentschuldbaren Ungerechtigkeit» an. Auch wenn über die Wortwahl gestritten werden kann, sollte dieser Appell die Ohren einiger Kultusminister klingeln lassen.

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Vor allem konservative Politiker und Verbände jubeln dagegen über das deutsche Abschneiden. So deuten die alten Männer vom Deutschen Philologenverband die Ergebnisse als «Beweis für die Innovationskraft und Reformfähigkeit» deutscher Schulen. Der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger hob hervor, dass die neuen Ergebnisse all jene Lügen straften, die entweder das gegliederte Schulwesen für reformunfähig erklärten oder ein Versagen der weiterführenden Schularten behaupteten.

In geradezu hysterischer Weise wird unterdessen gegen den deutschen Mahner bei der OECD in Paris vorgegangen: Der PISA-Koordinator Andreas Schleicher prangert seit 2001 das dreiteilige Schulsystem in seinem Heimatland an. In der Aufteilung sieht er einen Grund für die hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland.

Daten & Fakten: PISA

Die Abkürzung PISA steht für «Programme for International Student Assessment». Dahinter verbirgt sich der weltweit größte Schulleistungstest. Am dritten Testdurchlauf im Frühjahr 2006, der jetzt zur Veröffentlichung ansteht, hatten sich weltweit 57 Nationen beteiligt, darunter alle 30 in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengeschlossenen Industriestaaten. Der erste Test war 2000, der zweite 2003. Weltweit arbeiten mehr als 300 Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter an Erstellung und Auswertung des Tests. Die Federführung liegt bei der OECD in Paris. PISA untersucht die Kompetenz der Schüler, lebensnahe Aufgaben zu lösen. Neben den Leistungen werden familiärer, sozialer und schulischer Hintergrund der Schüler erfasst, sowie Motivation, Lernmethoden und Unterstützung durch die Lehrer untersucht. In Deutschland haben 1516 Schulen am dritten PISA-Test im Frühjahr teilgenommen.

Von Seiten der hessischen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) wird ihm nun Ideologisierung vorgeworfen, weil er angedeutet hatte, dass das jetzige Ergebnis der Studie nicht unbedingt eine Verbesserung deutscher Schüler bedeute. Der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz Erich Thies spricht gar von «Schamlosigkeit» - Rücktrittsforderung an den Spielverderber natürlich inklusive.

Realistischer dagegen sind mahnende Stimmen von der Lehrergewerkschaft GEW, die die Kultusminister vor «zuviel Euphorie» warnen. Oder der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Joerg Tauss, der den vermeintlichen Aufstieg von Platz 18 auf Platz 13 als «Illusion» bezeichnet. Vergleichbarkeit hin oder her, Deutschland könne sich als eine der führenden Industrie-, Forschungs- und Wissenschaftsnationen mit dem 13. Platz nicht zufrieden geben, sagte der SPD-Politker.

Es darf gespannt auf den nächsten Dienstag geschaut werden, wenn die PISA-Studie 2006 in ihrer Gesamtheit vorgestellt wird. Der Streit wird dann sicher erst so richtig losgehen. (nz)

 
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