Unicef soll Spendengeld missbraucht haben
29.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Auslöser der Affäre: ein Zeitungsbericht der «Frankfurter Rundschau», die sich auf das anonyme Schreiben eines offenkundigen Insiders beruft. Demnach soll die Unicef Deutschland über Jahre hinweg «Unsummen für dubiose Beraterverträge und eigenmächtig veranlasste Bauarbeiten» ausgegeben haben. Nach Angaben aus Vorstandskreisen soll es für Aufträge an eine Unternehmensberatung zuvor keine Ausschreibung gegeben haben: «Wir haben jedenfalls nie eine gesehen», zitiert die «FR» die Kreise. Allein bis 2007 sei für die diversen Aufträge ein Honorar in Höhe von 1,3 Millionen Euro geflossen.
Das bestreitet die ehrenamtliche Vorsitzende von Unicef Deutschland, die frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis. Die Verträge seien «erklärungsbedürftig» und «moralisch strittig». Simonis hat inzwischen Konsequenzen gezogen: Sie habe Garlichs, gebeten, sein Amt vorerst ruhen zu lassen, teilte Simonis in Kiel mit.
Die umstrittenen Zahlungen in der Spendenwerbung des Hilfswerks würden umgehend einer Prüfung unterzogen, fügte Simonis hinzu Dazu werde ein unabhängiger, durchsetzungsfähiger Experte gesucht. Am Samstag soll zudem der Vorstand zu einer Sondersitzung zusammenkommen.
Simonis hingegen erklärte, dem Vorstand lägen Fakten und Zahlen vor, «die wir nicht nachvollziehen können». Dafür interessiert sich inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Köln. Sie prüft derzeit, ob es «einen Anfangsverdacht für strafbare Handlungen gibt», wie deren Sprecher der «Süddeutschen Zeitung» sagte. Auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das das Spendensiegel verleiht, will den Umgang mit den Geldern nun überprüfen. «Wir schauen uns die Sache jetzt an», kündigte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke an.
Für das Web ediert von Matthias Breitinger

