Ein weiteres Beispiel für den unverantwortlichen Umgang mit den im Namen der Armutsbekämpfung erhobenen Steuergeldern ist der bisher völlig untaugliche Versuch des BMZ, eine überfällige Institutionenreform durchzuführen. Seit Jahren erklärt nicht nur die FDP-Bundestagsfraktion, sondern auch der OECD-Prüfbericht für Deutschland, dass die Zersplitterung der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit auf verschiedene Ministerien und Durchführungsorganisationen zu Doppelstrukturen und unnötiger Bürokratie führt.Das BMZ kündigte in der Vergangenheit an, zumindest die Zusammenlegung von GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) und der KfW-Bankengruppe umsetzen zu wollen. Ein Termin war für den April dieses Jahres vorgesehen.
Mit 168.000 Euro finanzierte man zunächst einen externen Berater, um Modelle bezüglich dieser Fusion zu erarbeiten. Der Bericht des Gutachters war nur eingeschränkt brauchbar, da das BMZ es versäumt hatte, die eigenen Vorstellungen zur Reform einzubringen. In dem anschließenden Gutachten des Bundesrechnungshofes wurde diese Kritik unterstrichen und das BMZ aufgefordert, seine Vorstellungen zur Zusammenlegung zu konkretisieren. Bedauerlicherweise haben weder wir noch die Öffentlichkeit seitdem etwas aus dem BMZ zu diesem Thema gehört.
Das BMZ muss schleunigst seine Hausaufgaben machen und sich der Prüfung auf Wirksamkeit stellen. Die Kritik an der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wächst in der Bevölkerung. Nach einer Umfrage von Forsa halten über 85 Prozent der Deutschen die klassische Form der Entwicklungspolitik für verfehlt. Zu Recht!
Werner Hoyer ist stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion und deren außenpolitischer Sprecher. Von 1994 bis 1998 war er Staatsminister im Auswärtigen Amt unter Außenminister Klaus Kinkel (FDP).