Das langsame Sterben der klassischen Familie
28.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Am größten sind die Veränderungen in Ostdeutschland. Am 9. November wurden in diesem Jahr die ersten «Kinder des Mauerfalls» erwachsen. «Die deutsche Einheit ist jetzt auch volljährig», sagte der Präsident des Statistischen Bundesamts, Walter Radermacher, am Mittwoch bei der Vorstellung des Mikrozensus 2006. «Trotzdem sieht man große Unterschiede.»
In Berlin besteht inzwischen fast die Hälfte aller Familien aus Alleinerziehenden oder Lebensgemeinschaften mit Kindern. Auf die Hauptstadt folgen mit Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen- Anhalt, Brandenburg und Thüringen hintereinander alle ostdeutschen Länder. Doch auch in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie in Schleswig-Holstein (mit dem «Speckgürtel» nördlich von Hamburg) ist die traditionelle Familie stärker auf dem Rückzug als im bundesweiten Durchschnitt, der bei 26 Prozent liegt.
Die Familie von Bundesministerin Ursula von der Leyen (CDU) gilt als Vorzeigefamilie. Mit ihren sieben Kindern liegt von der Leyen weit über dem Bundesdurchschnitt von 1,61 minderjährigen Kindern pro Familie. In Ostdeutschland sind es 1,43 Kinder unter 18 Jahre. Die Familienministerin schließt nicht aus, kinderreiche Familien stärker zu fördern, falls es zu einer Erhöhung des Kindergelds kommt. «Familie ist trotz aller Unkenrufe beliebt», sagt sie.
Im neuen CDU-Grundsatzprogramm, über das der Parteitag der Christdemokraten am Montag in Hannover entscheidet, gilt die Ehe weiter als Leitbild der Gemeinschaft von Mann und Frau. Doch auch andere Lebensgemeinschaften werden akzeptiert. Über die schwindende Zahl der Familien heißt es darin: «Das ist der Widerspruch unserer Zeit. Eine reiche Gesellschaft ist arm an Kindern.» (Marc-Oliver von Riegen, dpa)

