21.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Gabriele Pauli beim CSU-Parteitag im September.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli rechnet mit der CSU ab: «Sie hatten Angst, nicht mehr mithalten zu können.» Die ersten Angebote zum Beitritt in andere Parteien sind bereits eingetroffen.
Berliner CSU-Politiker haben am Mittwoch den Austritt der Fürther Landrätin Gabriele Pauli aus ihrer Partei begrüßt. «Reisende soll man nicht aufhalten», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Hartmut Koschyk, der «Mitteldeutschen Zeitung». Der Bundestagsabgeordnete Norbert Geis meinte: «Das ist kein Verlust. Frau Pauli wollte in der CSU eine dominierende Rolle spielen und hat dabei ins Leere gegriffen. Ihr Austritt ist die logische Konsequenz.»
Die Freien Wähler und die bayerischen Grünen haben Pauli bereits angeboten, Mitglied in ihren Parteien zu werden. Die SPD in Bayern zeigte ihr dagegen die kalte Schulter.
Gabriele Pauli verlässt die Partei nach eigenen Angaben aus Enttäuschung über die neue Führung. Da der neue Parteichef Erwin Huber seit Monaten nicht auf sie zugekommen und nicht auf ihre Forderungen eingegangen sei, habe sie sich zu diesem Schritt entschlossen, sagte sie der Zeitschrift «Vanity Fair». Sie gehe wegen der Art und Weise, «wie man sich mir gegenüber verhalten hat».
Ob sie eine eigene Partei gründen oder einer anderen beitreten werde, ließ Pauli in dem Interview offen. Beides seien Optionen: «Ich möchte einen Kreis von Menschen finden, der für eine Politik der Offenheit steht, um einem neuen Denken, das sich viele ersehnen, Kraft zu verleihen.»
Pauli sagte, ihr Austritt sei die Konsequenz des vergangenen Jahres. In einem Brief an CSU-Chef Huber schrieb sie: »Um Neuem Raum zu geben, muss man Altes loslassen. Wer sich für andere einsetzt, sollte das unabhängig vom eigenen Ansehen und Status tun. Nur so ist Politik glaubhaft. Viele Politiker in unserer Partei haben dieses Ziel aus den Augen verloren, versuchen, ihre persönliche Stellung zu wahren, und ordnen die offene Diskussion dem eigenen Machtstreben unter.«
«Diese Herren haben keinen Respekt»In dem Interview warf Pauli der CSU-Spitze zum wiederholten Male vor, diese habe sie ausgegrenzt. »Diese Herren haben keinen Respekt und keine Scheu, meine Meinung zu unterdrücken.« Auch ihr Geschlecht habe bei der Kontroverse um ihre Person eine Rolle gespielt. Es sei für die »Herren von der CSU« leichter mit Frauen, die sich unterordnen. »Mit mir hatten sie es schwerer. Die hatten Angst, nicht mehr mithalten zu können. Wenn man nicht nur Kompetenz, sondern auch Ausstrahlung hat, dann verunsichert das.«
Pauli hatte als jüngste Landrätin Deutschlands mit 32 Jahren für die CSU den als SPD-Hochburg geltenden Kreis Fürth erobert und war zuletzt mit 65 Prozent wiedergewählt worden. Auf eine erneute Kandidatur im kommenden März verzichtete sie jedoch überraschend. Zuletzt sorgte Pauli mit ihrer Kandidatur für den CSU-Parteivorsitz für gehörigen Wirbel. Die Delegierten ließen sie freilich links liegen und bescherten ihr mit nur 24 Stimmen eine Abfuhr. Das Wahlergebnis und Erkenntnis, dass sie auf dem Parteitag isoliert war, dürften Pauli klargemacht haben, dass sie in der CSU keine Zukunft mehr hatte.
Latexfotos und «Ehe auf Probe»Dabei hatte die Kommunalpolitikerin in der Bevölkerung und auch in ihrer Partei zunächst viel Zustimmung erhalten, als sie sich 2006 mit ihrer Kritik an Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber aus der Deckung wagte und seinen Rückzug forderte. Doch Pauli schien das Interesse an ihrer Person zu Kopf zu steigen. Anstatt Gleichgesinnte hinter sich zu scharen und in der CSU für ihre Ziele zu kämpfen, tingelte sie durch Talkshows, formulierte wolkige Positionen und wurde immer unberechenbarer. Spätestens mit ihren Latex-Fotos in der Zeitschrift »Park Avenue« und ihrer Forderung nach einer »Ehe auf Zeit« machte sie sich in der CSU unmöglich.
«Mein Austritt ist die Konsequenz des vergangenen Jahres», erläuterte sie ihren Entschluss. Sie gehe nicht, weil sie die Wahl zur Parteivorsitzenden verloren habe. Ihre weiteren parteipolitischen Ambitionen ließ Pauli offen: «Das Spektrum reicht von der Gründung einer eigenen bis zum Beitritt zu einer anderen Partei.» Es gebe einen Teil der Bevölkerung, der wolle, dass sie nicht aufhöre. «Für diese Menschen will ich weiter Politik machen», sagte Pauli. (dpa/AP)