21. Nov 2007 12:30
Der Mittwoch ist der letzte Arbeitstag Franz Münteferings als Minister. Als er ihm die Entlassungsurkunde überreichte, zeigte sich selbst Bundespräsident Köhler bedrückt: «Sie werden mir fehlen.»
Als Abschiedsgeschenk für ihren bisherigen Stellvertreter zog die Kanzlerin einen rot-schwarzen Fußball hervor, bei dem die Farbe rot allerdings dominierte. «Es gibt nur eine wirkliche Grundfarbe: Das ist rot», bemerkte der 67-Jährige. Müntefering hatte seinen Rücktritt vor einer Woche mit der schweren Erkrankung seiner Frau begründet. Dennoch brachten viele Beobachter auch Münteferings Rolle in der Koalition und innerhalb der SPD Mit dem Rückzieher in Verbindung. Im «Spiegel» hatte Müntefering nach seinem Rücktritt den Regierungsstil der Kanzlerin massiv kritisiert. «Es ist einfach keine gute Form der Zusammenarbeit, wenn man sich im Kabinett gemeinsam zu Beschlüssen durchringt und sie anschließend sehenden Auges nach massivem Lobbyeinfluss torpediert», missbilligte er. Hintergrund waren die gescheiterten Verhandlungen im Koalitionsausschuss vor einigen Tagen über den Post-Mindestlohn. Die SPD hatte die Union des Wortbruchs bezichtigt, weil hierzu bei einer Kabinettsklausur im August bereits eine Einigung erziel worden sei. Zudem warfen die Sozialdemokraten der Kanzlerin vor, vor den großen Verlagen eingeknickt zu sein, die Teilhaber von privaten Postdienstleistern sind - und Gegner eines branchenweiten Mindestlohnes. Die Union betonte jedoch, die SPD habe sich nicht an die Eckdaten der Kabinetts-Einigung gehalten. (nz/dpa/AP)