21.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Merkel und ihr Gast auf einem umstrittenen Besuch
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Darf die Kanzlerin den Dalai Lama empfangen, auch wenn Deutschland Konflikte mit China riskiert? Dazu gibt es unter den Koalitionären unterschiedliche Auffassungen. Merkel wehrt Kritik ab.
Im Koalitionsstreit um die Außenpolitik der Bundesregierung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Kritik am Empfang für den Dalai Lama im Kanzleramt kategorisch zurückgewiesen. «Als Bundeskanzlerin entscheide ich selbst, wen ich empfange und wo», sagte sie der «Bild»-Zeitung. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) attackierte die SPD. «Es ist doch absurd. Jeder deutsche Außenminister hat den Dalai Lama empfangen - nur nicht Herr Steinmeier», sagte Schäuble der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» mit Blick auf den designierten Vizekanzler, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).
Hintergrund der Auseinandersetzung sind die unterschiedlichen Akzente von Kanzleramt und Auswärtigem Amt in der Russland- und China-Politik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich vor zwei Monaten mit dem von China angefeindeten Dalai Lama getroffen, Steinmeier wiederum beklagte daraufhin die daraus resultierende Belastung der deutsch- chinesischen Beziehungen. Zuletzt hatte Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) Merkel indirekt konstatiert, ihre Zurückhaltung gegenüber Russland gehe auf ihre DDR-Vergangenheit zurück. Das sorgte für Unmut in der Union.
Chinesen animiertMit Blick auf die Diskussion über den Lama-Besuch will die Bundeskanzlerin Meinungsdifferenzen in ihrem Kabinett künftig vermeiden. «Ich wünsche mir, dass alle in der Bundesregierung diese Haltung geschlossen vertreten, weil andernfalls der Respekt Chinas vor uns bestimmt nicht größer wird.»
Die Chinesen würden durch Steinmeier «geradezu dazu aufgefordert», diplomatische Treffen abzusagen, rügte Schäuble in der Zeitung. China hatte damals einen Termin des deutsch-chinesischen Rechtsstaatsdialogs platzen lassen, offiziell aus terminlichen Größen. Schäuble betonte, während die SPD Merkel kritisiere, habe sich die Union mit durchaus berechtigter Kritik an Steinmeier bislang zurückgehalten. Es gehe dabei aber durchaus nicht nur «um Symbolik, sondern um Substanz», betonte der Innenminister.
Auf Kritik stieß der Koalitionskonflikt bei der Opposition. Der FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Guido Westerwelle sagte der «Passauer Neuen Presse», dieser Streit sei schädlich. «Es darf keine Außenpolitik der Kanzlerin und gleichzeitig eine Neben-Außenpolitik des Außenministers geben.» Unterstützung erhielt Merkel in ihrer Haltung von den Grünen. Die Kanzlerin hebe sich von Schröder ab, «der durch seine Außenwirtschaftspolitik gegenüber Russland und China, durch seine industriefreundliche Rüstungsexportpolitik und mit seinem Desinteresse an der öffentlichen Thematisierung von Menschenrechten deutscher Außenpolitik geschadet hat», sagte die Parteivorsitzende Claudia Roth der «Frankfurter Rundschau». (nz/dpa)