Kölner Schüler entwischte der Polizei
20. Nov 2007 21:32
 |  Nach den Gewalt-Plänen an dem Kölner Gymnasium gerät die Polizei unter Druck | Foto: dpa |
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Nach dem Selbstmord eines Schülers in Köln gibt es konkrete Vorwürfe gegen die Polizei. Der 17-Jährige soll während einer Vernehmung zu seinen Gewalt-Plänen verschwunden sein.
Nach der vereitelten Gewalttat an einem Kölner Gymnasium und dem Selbstmord eines verdächtigen Schülers ist die Polizei massiv unter Druck geraten. Psychologen und Medien warfen den Beamten vor, sie hätten den Selbstmord des 17-Jährigen möglicherweise mitverschuldet.
Der Schüler soll bei einer Vernehmung durch die Polizei am vergangenen Freitag entwischt sein. «Er hat während des Gesprächs gesagt, er müsse mal auf die Toilette. Stattdessen ist er weggelaufen», zitiert der «Kölner Stadtanzeiger» den städtischen Schulpsychologen Jürgen Zimmermann-Höreth. Hätte er sich der «Belehrung» nicht entzogen, wäre er von den Polizeibeamten nach Hause gefahren worden oder hätte von den Eltern abgeholt werden sollen, berichteten „Kölner Stadtanzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ übereinstimmend.
Selbstmord nach Gespräch mit der Polizei
Nach Angaben des Sprechers der Bezirksregierung, August Gemünd, soll der 17-Jährige «unmittelbar im Anschluss» an ein Gespräch mit der Polizei aus der Schule verschwunden sein. Nach dem Gespräch seien die beiden Polizisten mit dem 17-Jährigen herausgekommen, und dieser habe gesagt, er müsse mal auf die Toilette. Davon sei er dann nicht mehr zurückgekehrt, obwohl seine Schultasche noch da stand und zwei Freunde auf ihn warteten. Lehrer, Schüler und die Polizisten hätten nach ihm gesucht, ihn aber nicht gefunden. Der Jugendliche warf sich unterdessen vor eine Straßenbahn und wurde getötet.Nach Angaben Gemünds, der sich auf den stellvertretenden Schulleiter berief, hatte die Polizei auch entschieden, die Eltern des Jugendlichen vor dem Gespräch nicht zu informieren. Der Jugendstrafverteidiger Siegmund Benecke sagte im WDR-Fernsehen, es sei gesetzlich vorgeschrieben, dass der Erziehungsberechtigte vor einer Vernehmung eines Jugendlichen informiert werden müsse. Die Polizei sei indirekt mitschuldig am Selbstmord des 17-Jährigen.
Die Kölner Staatsanwaltschaft stärkte der Polizei dagegen den Rücken: Als zwei Polizisten mit dem 17-Jährigen gesprochen hätten, sei keine Selbstmordgefahr erkennbar gewesen. «Es bestehen daher keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung mit der Polizei. Polizeisprecher Jürgen Laggies wollte sich nicht zu dem Vorwurf äußern, dass die Polizei vor ihrem Gespräch mit dem 17-Jährigen dessen Eltern hätte informieren müssen.
«Denkwürdige Verschleierung der Tatsachen»
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete den Selbstmord als «tragisch»: «Es ist empörend, der Polizei dafür die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen», sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg. Die Kölner Zeitung «Express» warf der Polizei dagegen eine «denkwürdige Verschleierung von Tatsachen» vor. Der «Kölner Stadt-Anzeiger» schrieb: «Die neuen Erkenntnisse lassen das Geschehen in einem anderen Licht erscheinen und provozieren geradewegs die Frage: Hätten die Beamten den Selbstmord verhindern können?»
Noch am Sonntagabend hatte es bei der Kölner Polizei geheißen, zwei Schüler hätten durch eine Gewalttat einige Mitschüler und Lehrer des Georg-Büchner-Gymnasiums töten wollen. Am Montag teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass beide Schüler schon vor vier Wochen ihren Plan aufgegeben hätten. Der zweite verdächtige Schüler, ein 18-Jähriger, wurde daraufhin freigelassen und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. (dpa)