Fahnder wollten «publikumswirksamen Erfolg»
20.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Während Sieber von «handwerklichen Fehlern» spricht, verteidigt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Ermittler: «Das Verhalten der Polizei war korrekt», sagte GdP-Chef Konrad Freiberg. «Es hat am Freitag keine Hinweise auf eine Suizidgefahr des Schülers gegeben, auch nicht nach einem Gespräch der Schulleitung mit seiner Mutter.»
Mit Blick auf die geplante Gewaltat konstatierte er auch eine positive Entwicklung: «Die Sensibilität scheint zu wachsen.» Die Schüler hätten verstanden, wie wichtig es ist, Sicherheitsbehörden einzuschalten. «Sie achten früher darauf, ob sich was zusammenbraut.»
Der Verbandschef fordert die Einrichtung einer Internetplattform, auf der Bürger Hinweise auf mögliche Gewalttaten abgeben könnten. «Die Polizei kümmert sich dann darum, dass die zuständige Dienststelle die Hinweise erhält. So können die Menschen ganz einfach und anonym Informationen abwerfen», sagte Jansen. In Deutschland unterhalten bereits erste Polizeien so genannte Internetwachen.
Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft für Bildung und Erziehung (GEW). Auch sie macht den «enormen Leistungsdruck an deutschen Schulen» für die Pläne der Jugendlichen mitverantwortlich. «Das sind Hilferufe, die uns nachdenklich machen müssen», sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Wir haben ein Bildungswesen, das überhaupt erst Gewinner und Verlierer produziert.» Jugendliche müssten soziale Kompetenzen erwerben können und bräuchten kreative Pausen. «Schule muss weg vom reinen Paukwissen.»
Die Ermittler waren in einem Schüler-Portal auf die Attentats-Fantasien des 17-Jährigen gestoßen. Daraufhin hatten sie ihn zur Rede gestellt. Noch am Sonntagabend hieß es, der 17-Jährige und ein 18-jähriger Mitschüler am Georg-Büchner-Gymnasium hätten zahlreiche Mitschüler und Lehrer töten wollen. Am Montag räumte Staatsanwalt Alf Willwacher jedoch ein, der 18-Jährige habe glaubhaft dargelegt, dass er die Tat doch nicht hatte begehen wollen. In einem früheren Stadium sei das Massaker aber durchaus detailliert geplant worden. (nz/dpa/AP)

