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Fahnder wollten «publikumswirksamen Erfolg»

20. Nov 2007 07:30, ergänzt 10:41
Am Montag in Köln
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Über das Verhalten der Polizei ist nach dem Selbstmord eines Schülers und den Amok-Plänen an einer Kölner Schule eine Diskussion entbrannt. Fachleute werfen den Ermittlern «handwerkliche Fehler» vor.

Nach der überraschenden Wende im Fall von zwei Kölner Jugendlichen, die eine Gewalttat an ihrer Schule geplant hatten, ist das Vorgehen der Polizei in die Kritik geraten. «Die Fahnder wollten rasch einen publikumswirksamen Erfolg präsentieren. Wenn es ihnen um den Jugendlichen gegangen wäre, hätten sie anderes reagiert», sagte der Münchener Polizeipsychologe Georg Sieber der «Berliner Zeitung». Grund für das Verhalten sei der gestiegene Erwartungsdruck.

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  • Zuvor war bekanntgeworden, dass die beiden 17 und 18 Jahre alten Schüler ihren Attentatsplan bereits vor Wochen aufgegeben hatten. Der jüngere Schüler hatte sich am Freitag nach der Vernehmung das Leben genommen.

    Während Sieber von «handwerklichen Fehlern» spricht, verteidigt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Ermittler: «Das Verhalten der Polizei war korrekt», sagte GdP-Chef Konrad Freiberg. «Es hat am Freitag keine Hinweise auf eine Suizidgefahr des Schülers gegeben, auch nicht nach einem Gespräch der Schulleitung mit seiner Mutter.»

    Wachsende Sensibilität

    Auch der Vorsitzende des Bundes der Kriminalbeamten, Klaus Jansen, verteidigte das Vorgehen der Kölner Beamten. Sie hätten bei den Vernehmungen, nach denen sich der 17-Jährige vor eine Straßenbahn warf, noch nicht einmal gewusst, ob wirklich eine Straftat geplant sei, sagte Jansen der «Passauer Neuen Presse».

    Mit Blick auf die geplante Gewaltat konstatierte er auch eine positive Entwicklung: «Die Sensibilität scheint zu wachsen.» Die Schüler hätten verstanden, wie wichtig es ist, Sicherheitsbehörden einzuschalten. «Sie achten früher darauf, ob sich was zusammenbraut.»

    Der Verbandschef fordert die Einrichtung einer Internetplattform, auf der Bürger Hinweise auf mögliche Gewalttaten abgeben könnten. «Die Polizei kümmert sich dann darum, dass die zuständige Dienststelle die Hinweise erhält. So können die Menschen ganz einfach und anonym Informationen abwerfen», sagte Jansen. In Deutschland unterhalten bereits erste Polizeien so genannte Internetwachen.

    Zu großer Leistungsdruck

    Jansen verlangte zudem, Gymnasien auf eine erhöhte Gefahr von schweren Gewalttaten zu untersuchen. «Bei den Fällen von Schulgewalt in Deutschland stehen meistens Gymnasien in den Schlagzeilen. Es muss untersucht werden, ob hier der Leistungsdruck und die Angst, abgehängt zu werden, besonders stark sind oder es mehr als an anderen Schulformen zu Mobbing kommt».

    Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft für Bildung und Erziehung (GEW). Auch sie macht den «enormen Leistungsdruck an deutschen Schulen» für die Pläne der Jugendlichen mitverantwortlich. «Das sind Hilferufe, die uns nachdenklich machen müssen», sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Wir haben ein Bildungswesen, das überhaupt erst Gewinner und Verlierer produziert.» Jugendliche müssten soziale Kompetenzen erwerben können und bräuchten kreative Pausen. «Schule muss weg vom reinen Paukwissen.»

    Die Ermittler waren in einem Schüler-Portal auf die Attentats-Fantasien des 17-Jährigen gestoßen. Daraufhin hatten sie ihn zur Rede gestellt. Noch am Sonntagabend hieß es, der 17-Jährige und ein 18-jähriger Mitschüler am Georg-Büchner-Gymnasium hätten zahlreiche Mitschüler und Lehrer töten wollen. Am Montag räumte Staatsanwalt Alf Willwacher jedoch ein, der 18-Jährige habe glaubhaft dargelegt, dass er die Tat doch nicht hatte begehen wollen. In einem früheren Stadium sei das Massaker aber durchaus detailliert geplant worden. (nz/dpa/AP)

     
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