Dignitate findet deutschen Arzt für Sterbehilfe
19. Nov 2007 21:38
 |  Protest gegen Sterbehilfe nach Art der Firma "Dignitas" aus der Schweiz. | Foto: dpa/Holger Hollemann |
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Für Anfang 2008 ist der erste «assistierte Suizid» in Deutschland geplant. Ein Berliner Mediziner im Ruhestand soll einem Schwerkranken ein Medikament geben. Parteien und Verbände schlagen Alarm.
Die Ankündigung der Sterbehilfe-Organisation Dignitate, in Deutschland einem Schwerkranken beim Suizid helfen zu wollen, hat Entrüstung und Empörung ausgelöst. Die Deutsche Hospiz-Stiftung warf der Organisation vor, es gehe ihr nur um finanzielle Interessen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion forderte ein Verbot des deutschen Ablegers des Schweizer Vereins Dignitas.
Der Berliner Urologe und Dignitate-Vorstand Uwe-Christian Arnold bestätigte der «Frankfurter Rundschau», dass in Deutschland ein Präzedenzfall geschaffen werden solle. Man habe einen deutschen Arzt im Ruhestand gefunden, der mit der geplanten Aktion nicht seine ärztliche Zulassung riskiere. Wo die Sterbehilfe stattfinden soll, wollte Arnold nicht verraten. Man wolle einen «hieb- und stichfesten Fall» dokumentieren, «sonst kommen wir nicht weiter». Ziel sei es, den ärztlich assistierten Freitod aus der rechtlichen Grauzone herauszuholen.Schon in den ersten Monaten 2008 werde es soweit sein, sagte Arnold bei «stern.de». Es werde ein assistierter Suizid sein. «Der Arzt wird dem Patienten ein Medikament geben und dabei sein, wenn der Patient das Medikament einnimmt», sagte er. Neben diesem Arzt gebe es viele weitere Mediziner, die zu einem solchen Vorhaben bereit seien. Sorgen vor rechtliche Konsequenzen gebe es bei Dignitate nicht. «Wir fürchten keine Strafverfolgung. Denn es ist alles rechtlich erlaubt», sagte Arnold.
«Wir brauchen keine Filiale von Dignitas»
Die Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, erklärte, die Pläne von Dignitate untermauerten die Notwendigkeit eines Verbots. Die Organisation hintertreibe jegliche Bemühungen um ein menschenwürdiges Sterben. Deutschland brauche keine Filiale von Dignitas, sondern Einrichtungen für Menschen, die Sterbende in ihre Mitte nähmen und sie fürsorglich bis zu ihrem natürlichen Tod begleiteten.Letztlich gehe es Dignitate nur darum, Geld zu machen, kritisierte der Vorstand der Deutschen Hospiz-Stiftung, Eugen Brysch, im Hessischen Rundfunk: «Wir wollen unterbinden, dass man mit der Suizidhilfe in Deutschland reich wird.» Anders als Tötung auf Verlangen sei assistierter Suizid in Deutschland nicht strafbar. Aus Sicht der Deutschen Hospiz-Stifung dürfe es in der Diskussion aber nicht um Töten und Suizid gehen, sondern darum, Hilfe für ein gutes Leben bis zuletzt zu leisten.
Sterbebegleitung kostet 5.500 Euro
«Dignitate kämpft um Geld», sagte Brysch. Er wisse, dass für solche Sterbebegleitung in der Schweiz bis zu 9.000 Schweizer Franken (rund 5.500 Euro) zu zahlen seien: «Wenn das einige hundert Fälle im Jahr sind, dann ist das eine gute Einnahmequelle.» Es sei entsetzlich, wie man mit dem Leiden der Menschen Geld machen könne. Dennoch müsse man sich der breiten Diskussion ums Thema Sterbehilfe stellen: «Es ist für viele der letzte Weg, weil wir ihnen als Gesellschaft den Zugang zu guter Pflege, zu guter Medizin versagen.»Dignitas war zuletzt nicht nur wegen umstrittener Sterbeorte wie Hotels oder Parkplätzen in die Kritik geraten, sondern auch wegen fehlender Transparenz in der Rechnungsführung. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2002 den Mitgliedstaaten das Recht zugestanden, über die Sterbehilfe selbst zu entscheiden. Ein Grundrecht auf Selbstmord lässt sich laut herrschender Rechtsmeinung aus den bisher in Deutschland ergangenen Urteilen nicht ableiten. (dpa)