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Ärger über Thierses Kohl-Vergleich

15. Nov 2007 10:03, ergänzt 18:08
Kritik ausgesetzt: Thierse
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Eine Parallele zwischen Kohl, der Frau des Altkanzlers und dem Ehepaar Müntefering erregt die Union. Doch Bundestagsvize Thierse sieht sich falsch zitiert. Doch dieser Hinweis scheint ihm nicht zu nützen.

Eine Äußerung von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) über Helmut Kohl (CDU) und dessen Frau hat scharfe Kritik von Unionspolitikern ausgelöst. Thierse hatte in der «Leipziger Volkszeitung» einen Vergleich zwischen dem Rückzug von Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) und dem Altkanzler angestellt: «Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal». Hannelore Kohl, die Frau des früheren Bundeskanzlers, hatte bereits während dessen Amtszeit unter einer Lichtallergie gelitten und 2001 Selbstmord begangen. Müntefering hatte seine Rücktrittsankündigung als Minister und Vizekanzler damit begründet, er wolle seine krebskranke Frau betreuen.

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Wie Thierse die Sache darstellt, hätte der Satz so nicht verbreitet werden dürfen. Doch zunächst gab es heftige Reaktionen: Nachdem sie den Satz gelesen hatten, verlangten mehrere Unionspolitiker einen Rücktritt Thierses. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sprach in der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse» von einer «dümmlichen Äußerung» und forderte innerhalb von 24 Stunden eine Entschuldigung. Andernfalls müsse der SPD-Politiker zurücktreten. CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer sagte der «Passauer Neuen Presse», es sei «geschmacklos, wie Herr Thierse versucht, aus persönlichen Schicksalen politisches Kapital zu schlagen».

Merkel legt nach

Doch Thierse verteidigte sich und betonte, bei der von der Zeitung veröffentlichten Darstellung handle es sich um eine «verkürzte und nicht autorisierte» Fassung seiner Äußerungen. «Auf keinen Fall wollte ich Sie kritisieren«, schrieb er dem 77-jährigen Kohl in einem Brief. »Wenn ein anderer Eindruck entstanden ist, bedauere ich dies ausdrücklich.» Er bedauerte, dass eine von ihm wiedergegebene Äußerung zu einem falschen Eindruck führte. Er habe lediglich deutlich gemacht, dass es im Spannungsfeld zwischen Politik und Familie keine ideale Lösung gebe, sagte Thierse.

Die Zeitung ließ wissen, das umstrittene Zitat sei «nachweislich keinesfalls falsch und ungekürzt wiedergegeben worden». Das elektrisierte die Union, für die Kanzlerin Angela Merkel noch einmal nachlegte nach seinem «halben Bedauern umgehend eine wirkliche Entschuldigung» bei ihrem Ziehvater Kohl verlangte. Thierses Worte «sind für mich menschlich zutiefst unverständlich. Sie grenzen für mich an Niedertracht», wird sie von der «Bild»-Zeitung zitiert. (nz/dpa/AP)

 
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