Für Sterbehelfer wird es eng
12. Nov 2007 12:29
 |  Proteste gegen Sterbehilfe gab es schon des öfteren (Archivbild)
| Foto: dpa/Holger Hollemann |
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«Geschäfte mit dem Tod» halten die Regierenden für untragbar, ein Gesetz dagegen ist bereits in Arbeit. Andere wollen dagegen das Selbstbestimmungsrecht der Todkranken stärken.
Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion Wolfgang Bosbach will Sterbehilfeorganisationen verbieten lassen. «Es werden Geschäfte mit Tod gemacht. Das können wir nicht dulden», sagte der CDU-Politiker der «Berliner Zeitung». Die Unterstützung beim Suizid sei dabei Geschäftszweck. «Das ist mit der Menschenwürde nicht vereinbar.» Auch sein SPD-Kollege, der innenpolitische Sprecher der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, befürwortet einen Straftatbestand Sterbehilfe.
Die jüngste Debatte darüber hatte die unterstützte Selbsttötung zweier Deutscher in der vergangenen Woche in der Schweiz entfacht. Die Organisation Dignitas, die den Deutschen auf einem Parkplatz im Kanton Zürich beim Sterben half, geriet daraufhin erneut in die Kritik. Was Befürworter und Gegner eint, ist der Grundgedanke, dass von Schmerzen geplagte Todkranke in Würde sterben dürfen. Dafür bringt die Bundestags-FDP eine Legalisierung des sogenannten «assistierten Suizids» ins Gespräch. Der Abgeordnete Michael Kauch verwies im Südwestrundfunk auf die Regelung im US-Staat Oregon: Dort würden Patienten unter strengen Bedingungen Medikamente ausgehändigt, mit denen sie sich töten könnten. Voraussetzung sei dort aber, «dass dort zwei Ärzte eine Lebensdauer von weniger als sechs Monaten prognostizieren und alle schmerzmindernden Möglichkeiten ausgeschöpft sein müssen».
Zehn Prozent leiden trotzdem weiter
Es ist heute möglich, den allermeisten Menschen mit palliativ-medizinischen und palliativ-pflegerischen Mitteln zu helfen, damit diese die letzten Wochen und Tage ihres Lebens in Würde zumindest schmerzreduziert verbringen könnten. Den Rahmen dafür bieten in Deutschland etwa die Hospize, die parallel zur Schmerztherapie das Hinübergleiten in den Tod für die Schwerstkranken auch äußerlich so angenehm wie möglich machen. Doch den Liberalen Kauch beschäftigt die Frage, was mit den Extremfällen passiert, bei denen die Palliativmedizin versagt.Denn laut Bundesärztekammer können Medikamente die Schmerzen nur bei 90 Prozent der Sterbenden effektiv lindern. Bei dem Rest versagt die Schmerztherapie, wie auch der Schmerzmediziner Wolfgang Sohn sagt. «Es kann nicht heißen: Palliativmedizin statt Sterbehilfe», sagte der Arzt aus Schwalmtal (Nordrhein-Westfalen). Die Palliativmedizin sei extrem wichtig, aber selbst bei idealer Ausstattung könne sie nicht allen Patienten ein schmerzfreies Sterben ermöglichen.
Sterbehilfe kein Tabu
Justizministerin Brigitte Zypries hatte sich dagegen gewandt, dass Sterbehelfer Lebensmüde mit todbringenden Medikamenten versorgen. Sie sprach sich für mehr Einrichtungen aus, «in denen Menschen am Lebensende mit Respekt, Fürsorge und Zuwendung behandelt werden». Also für Hospize, denen die Diskussion derzeit durchaus nützt. Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Hospiz-Stiftung Zypries sieht die Chance, den Sterbehelfern die Arbeitsgrundlage zu entziehen, so groß wie nie. Zypries wandte sich vordergründig dagegen, dass die Todkranken in ihrer schweren Lage auch noch Geschäfte eingehen müssten: Verzweifelte Menschen «wollen keinen Vertrag über den Tod abschließen». Wie der Sinn eines Weiterlebens mit dem Leiden in eine Balance zu bringen sei, sagte Zypries nicht. Die von ihr verteidigte Patientenverfügung hilft nur Kranken, die sich gar nicht mehr selbst äußern können. Das Angebot von Sterbehilfe wendet sich dagegen an Menschen, die noch Herr ihrer Handlungen sind.
Länder arbeiten an Gesetz
Die Sterbehelfer selbst verteidigen ihr Anliegen. Sterbehilfe dürfe kein Tabu mehr sein, sagte der Vizechef von Dignitate, der Berliner Arzt Uwe-Christian Arnold. Dignitate ist ein Ableger der Schweizer Organisation Dignitas, die mit ihrer umstrittenen Sterbehilfe auf dem Parkplatz Empörung ausgelöst hatte.Doch die Handlungsräume von Dignitate werden immer enger: Die Justizminister von Union und FDP vereinbarten vorige Woche, nun schärfer gegen Sterbehilfe vorzugehen. Geschäftsmäßige Sterbehilfe soll ein eigener Straftatbestand werden, ein entsprechender Gesetzentwurf beim Bundesrat bereits in Arbeit sein. (nz/dpa/AP)