09. Nov 2007 18:48
Ein Prälat hatte am 9. November 1938 eine Thora aus Kölns brennender Synagoge gerettet - jetzt kehrte die restaurierte Schriftrolle bei einem Festakt in die jüdische Gemeinde zurück.
Der Kölner Prälat Gustav Meinertz hatte die Rolle 1938 während der Pogromnacht unter Lebensgefahr aus der brennenden Synagoge gerettet, bei sich versteckt und sie der Synagogen-Gemeinde nach Kriegsende zurückgegeben. Die stark beschädigte Thora konnte erst jetzt von israelischen Spezialisten restauriert werden.«Wenn unser aller Urvater Abraham uns hier sieht, wird er lächeln», sagte Rabbiner Metzger bewegt. Er dankte dem Kölner Kardinal Joachim Meisner für die finanzielle Unterstützung bei der 12.000 Euro teuren Restaurierung.
«Gegen massenhaften Wahn stellte Gustav Meinertz seine Tat aus der Liebe zum Gotteswort, als er die Thorarolle aus der Synagoge rettete», sagte Meisner in der Feierstunde. Meinertz habe sich als ein Großer erwiesen, da er nicht nur für den eigenen Glauben beherzt eingetreten sei, sondern auch für den der jüdischen Schwestern und Brüder.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) erinnerte in dem Festakt an die Verpflichtung der Gesellschaft, jeder Form von Rechtsradikalismus den Boden zu entziehen. «Wir sind jeden Tag aufs Neue gefordert, Mut und Zivilcourage zu beweisen, indem wir schon da widersprechen, wo Menschen ausgegrenzt werden.» Auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, und der rheinische Präses Nikolaus Schneider nahmen an der Gedenkfeier teil.
Während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden alle sieben Kölner Synagogen durch die Nationalsozialisten verwüstet. Die Synagoge an der Roonstraße wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut und ist heute Heimat einer der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands. (epd)